Schiller und Göthe. Geschichte und Politik. (Göthe.)
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XIII.
Schiller und Göthe.
1. Geschichte und Politik. (Göthe.)
Die Regeneration unserer Literatur verbreitete sich, wie wir sahen,über alle Wissenschaften und in alle Zweige. Sie hatte nun die Poesieverändert, und einen gereinigten ästhetischen Sinn geweckt, sie hatte dieTheologie ergriffen und neue religiöse Gesinnungen erregt, sie hatte dieSchule mugeschaffen und neue Grundsätze der Erziehung und des natür-licheren Unterrichts ausgebrcitet; bald lebte auch die Philosophie aufund erschütterte in gewissen Kreisen die alten Lebensrichtungcn und inden Wissenschaften den geistlosen Betrieb der frühem Zeit mit großerGewalt. Auch in der Geschichtschreibung finden sich die allgemeinenZeichen einer neuen Belebung wieder, und eine ganz eigenthümlicheFort-,Wirkung auf die lebendige Seite dieser Wissenschaft, die politischen Ge-sinnungen, läßt sich auch hier wahrnehmen. Nur drang hier vorerstweder das wissenschaftliche Interesse und die allgemeine Theilnahme be-sonders tief in die Nation ein, noch auch bildete sich ein politisches Ur-theil, das den übrigen gewonnenen Einsichten irgend gleichgestandenhätte. Dies lag natürlich darin, daß wir keinen Staat bildeten, keinePolitik hatten, kein großes Vaterland kannten, kein öffentliches Lebenbesaßen, was aus die Gestaltung unserer Geschichtschreibung hätte wirkenkönnen; sie wirkte daher auch nicht aus Staat und Leben zurück, sie ent-stand aus dem Buche, und zog sich mit ihren Ergebnissen wieder nachden Gelehrten hin, wo sie theoretische Grillen genug ansbrütcte, währendsic keinen praktischen Sinn in den Männern der Welt und des Staatesgeweckt hatte. Als daher die französische Revolution ausbrach, einEreigniß, das in einem staatssinnigen Volke die Geschichtschreibunghätte zur höchsten Blüte treiben können, so ward bei uns die kaum ge-borene Kunst dadurch eingeschüchtert und unterbrochen, und als der ersteSchuß unserer Historiker, die Generation von Müller und Spittlervorüber war, begann mit den Quellenforschern um Schlosser und Nie-buhr herum die Wissenschaft gleichsam wieder von vorn. Im Politischenaber herrschte nicht allein unter den Männern des Buches, sondern auchunter den leitenden Staatsmännern jene Rathlosigkeit, deren schreckliche