Übersicht der schonen Prosa. — Humoristische Romane. 145
Aufgabe muß daher sein, auf diese zurückzublicken, und die Störungenzu erwägen, die von dorther einer reinen ungetrübten Entfaltung unsererDichtung entgegentrateu. Hier werden wir die frohen Hoffnungen, jadie crrnugcnen Siege, deren wir nur eben erst uns zu freuen beginnen,nicht wenig verkümmert finden. Kaum konnten wir in unserer kaltenZone das lange versprochene Aufbrechen der Knospe unserer Kunst vorUngeduld erwarten; jetzt entfalten sich die zarten Blätter, und ehesteganz erschlossen sind, drückt sie ein neuer Frost. In die Spiele der heiterenTochter der Empfindung und Phantasie greift die Ungunst der neuenZeitverhältnisse, die Feindin der Künste, mit störender Hand ein. Diekaum halb erzogene Dichtung tritt in eine niedere Dienstbarkeit herab.Die wenigen Pfleger, die soeben ihre Würde im ganzen Umfange erkanntund bekannt haben, widersctzten sich mit Mühe und sauerer Anstrengung;und sie schienen ihre Kränze zuletzt mehr der überwundenen Hemmungenwegen verdient zu haben, als weil sie mit sorglosem, siegfrohein Schrittezum Heiligthum der Kunst den Weg gefunden hätten.
XII.
Uebersicht der schönen Prosa (Romanliteratur).
1. Humoristische Romane.
Unsere ganze Poesie, auch in den höhcrn Gattungen (wie im Trauer-spiel), hatte sich mit Anstrengung aus der prosaischen Rede loszuringeu,wie wir an den Beispielen von Lessing, Göthe und Schiller gefundenhaben. Es läßt sich denken, daß cs ihr, die so viel Mühe hatte, nur inden höchsten Regionen ihre eigenthümliche Auödrucksform durchznsctzcn,nicht gelingen konnte, in dieser Hinsicht einen allgemeinen Sieg zu errin-gen, noch weniger also, jene große Zwittergattung des Romans abzu-haltcn, in der die ungebundene Rede herkömmlich ist. Wirklich ward auchder Roman zugleich mit dem Schauspiele hcrgestellt. Er war in verein-zelten Werken Gellert's und weniger Anderen viel minder vorbereitet,als das Schauspiel durch Gottsched und seinen Anhang; er erhielt aberdurch die Einflüsse des englischen Romans einen viel dringenderen Anstoßals das Schauspiel durch Shakespeare, weil die berühmten englischenRomanschreiber mehr gleichzeitig und dem Genius des Jahrhunderts
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