XI.
Umsturz der konventionellen Dichtung durch Verjüngungder Naturpoesie.
Periode der Originalgenies.
3. Wieland's Schule.
Wenn man Klinger's Roman von seinem Drama abgesondert ver-folgt, so führt er uns geschichtlich auf Wieland zurück. Sehen wir aufdie Lebensrichtungen in den Schriften beider Männer, so finden wir,daß wenn Wieland eine Karrikatur von Sokrates-Plato vorstellen sollte,die zwischen Stoicismus und Epikureismus eine gewisse Mitte hielt,Klinger nach der Seite der Stoa hin einseitig und eben so karrikaturartigabwich. Einen Gegensatz zu ihm haben wir in Heinse, der den sinn-lichen Epikureismus Wieland's eben so verzerrt und durch Beimischungcynischer Elemente karrikirt einseitig steigerte, wie Klinger den Zugnach Vereinsamung und aristokratischer Absonderung von der verderbtenWelt. Beide waren Wielanden im Mangel eigentlich poetischer Gabe,im Bedürfniß poetischer Genüsse, in heidnischer Wegwendung vomChristenthume, in vielen andern Stücken ähnlich und verwandt. Klin-ger's Verhältniß zu ihm war später, bei eingetretener Mäßigung vonbeiden Seiten, näher, Heinse's war anfangs enthusiastisch und weiter-hin kühler; die Schreibart der Prose Klinger's ist der wielandischenähnlich, die von Heinse ganz ungleich. Klinger neigte sich zu den wie-landischen Werken im orientalischen Gewände, Heinse zu den italienischund griechisch gekleideten; jenen führte sein Nachdenken auf die morali-sche Seite des Menschen, diesen reizte die Kunst; das Verhältniß des
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