Romantische Dichtung.
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Blauen liege? Man bemerkt daher, daß das innere jugendliche Lebenbald abnimmt, daß Trauer über verschwundene Freuden, Schmachtennach dem Verlorenen, Sehnsucht nach dem Ungekannten, Unerreichbaren,Mißmuth, Jnvektiven gegen Hindernisse jeder Art, Kampf gegen Miß-gunst, Neid und Verfolgung die klare Quelle trübt, und die heitere Ge-sellschaft zerstreut sich in misanthropische Eremiten! Der kranke Zugwollte dem Dichter nicht mehr gefallen, der selbst die Last der Ungesund-heit ehedem abzuschütteln hatte; er würde ihm ganz unerträglich sein,wäre er nicht selbst einst unerträglich gewesen. Er fand sich nicht geför-dert dnrch jene noch so lobenswertsten Gedichte, die lebhafter Antheil,Laune und Leidenschaft hervorgebracht hat, in denen der Haß das Genieversetzte; denn weise wägt der lateinische Spruch die Worte: si naturano^at, kamt inäignatio versum, so. non kaoit pootani. Die Selbstguä-lcrei dieser Jünglinge, wenn er sich ihnen auch gern genaht hätte,scheuchte den geordneten Geist von ihren Werken hinweg; ihm mißhagtendiese problematischen Naturen, die keiner Lage gewachsen sind, und denenkeine genug thut, die daher in den ungeheuren Widerstreit gerathen, derdas Leben ohne Genuß verzehrt. Wicderkäuend nagen sie immer anihrem eigenen Schmerze, und tragen wie Atlasse die Schmerzen der Weltdazu; die zerrissenen Herzen gelten bei ihnen für groß, und die großenscheinen ihnen stärker zu werden durch Zerrissenheit. Ihr Geschäft istwie das jener verzweifelten Literatur der französischen Romantik, dasHäßliche, Abscheuliche, Grausame, mit der ganzen Sippschaft des Ver-worfenen, ins Unmögliche zu überbieten. Wie sollte der wahrhafte Dich-ter der Poesie bei diesen suchen, deren Neigung es ist, immer in diesenDingen zu verkehren, die sich ein Anderer gern aus dem Sinne schlägt?die einen Ruhm im Erliegen suchen, den Andere darein setzen, daß sie dieWelt und ihren Druck zu überwinden streben? Er, der im aufgeregtenMeere der Leidenschaften und in ruhiger Fläche der Selbstbefriedigungdie Welt in sich gespiegelt sah, er wußte, daß nur der klare Spiegel ihrächtes und treues Bild gibt, daß der fressende Gram des Prometheusund Faust nur eine kurze Periode des Jünglingsalters ergreifen, nichtdie Jahre der Männlichkeit zernagen darf. Ihm würde daher die Epochejener poetischen Selbstquälerei je länger desto lästiger geworden sein; undin der That darf man sich wundern, daß die ewige Wiederholung jenerstarkgeiftigen Selbstpeinigungen seit nun schon 70Jahrender neusichtigenWelt noch nicht langweilig geworden ist. Göthe suchte daher, müde derKünste und des Unmuths, die junge Welt „von dem Vergangenen undErstorbenen auf ein Lebendiges hiuzulenken"; er wies uns „aus neue