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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
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Romantische Dichtung.

die herkömmlichen Begriffe von Weiblichkeit zn brechen, eine neue Frech-heit der Männer göttlich zu preisen. Die Genußsucht Wieland's undLavater's, die physische und geistige, erhält hier gleichsam eine Verschmel-zung : auch hier scheint eine Folgerung aus den schillec'schen Sätzen vonversöhnter Sinnlichkeit und Geistigkeit wie in den ästhetischen Theoriendieser Männer herauSzusehcn; es ist nicht genug mit dem Genüsse, son-dern der „Genuß des Genusses" wird erstrebt, Besonnenheit in der Wuth,„geistigste Geistigkeit" bei ausschweifender Sinnlichkeit; denn in der Liebesollte Religion mit Ausgelassenheit verbunden sein. Die Religion aberschien gerade diese Ausgelassenheit in dieser Schule dämpfen und dämmenzu sollen, insofern war ihr Zutritt zu dem Angriff der Poesie auf daSLeben von guten Folgen. Die Sittlichkeit stellte sich in den Romanenvon Fonquö u. A. her; in Tieck's Sternbald, wo Religion und Ausge-lassenheit gleichfalls nebeneinander gehen, ist doch Heinse's Pinsel nurmit Schüchternheit gebraucht. Ja selbst die Lueiude, die in ästhetischerHinsicht von Schiller an ihre rechte Stelle gewiesen wurde, hat mehrNaisonnements und Visionen als sinnliche Anschaulichkeit; und je weiterman vorwärts geht, je entschiedener findet man in Schlegel's Schriftenandere Gesinnungen an die Stelle der frühem getreten, und wir hören inder Philosophie des Lebens denselben Mann über die Ehe in Begeiste-rung: sie werde nach der göttlichen Weltordnung als ein Heiligthumbetrachtet, und sei auch das sittliche Heiligthum des irdischen Lebens, aufwelchem der älteste göttliche Segen ruht u. s. w.

Seit 1803 war nämlich Schlegel in die katholische Kirche überge-treten, und nun fingen die neuen religiösen Tendenzen an allmählich zuTage zu kommen, und sie glichen sich mit der schon früher eingeschlagenenRichtung zur Romantik vortrefflich aus. Hier sind die Nebergänge voitPoesie zur Religion sehr fein, und für die Beobachtung sehr interessant.Es lag ganz auf dem Wege dieser Männer, die ein Poesielebeu, wie siecs im ritterlichen Mittelalter fanden, verwirklichen wollten, daß sie, in-dem sie der Dichtung, wie wir sagten, Bestand zu geben suchten, auf eineKonstituirung derselben dringen mußten, was von selbst auf das Form-wesen und auf die konventionellen Gestaltungen derPoeste führen mußte,in denen es die Romantiker so hoch getrieben haben. Am Ziel dieserWendung lag, was Novalis gleich anfangs angegeben hatte, eine sym-bolische Anschauung alles Lebens. Denn wie anders wollte man dermannichfachen Prosa der Welt eine poetische Seite abgewinnen, wennder Poesie nicht mehr gestattet sein sollte, sich ihren Boden zu wählen,wenn sic überall und in jedes Gewerb und Verhältniß eindringen sollte?