Romantische Dichtung.
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Reformen der jungen Welt hervorrief. Statt daß man sich aber begnügthätte, wie bisher geschah, diese Mißstände in tragischen Schreckbildernblosznstellen und praktisch Jeder in seiner Sphäre ein besseres Beispielzu geben, so griff man statt der Konventionsehe jede Ehe an, nanntestarkgeistig jede und alle Ehe Konvention""), und gab nicht allein theo-retisch, sondern auch praktisch der Welt die Beispiele, wie man im Taumelder Leidenschaft nicht eben bessere Zustände in dieser Beziehung schafft,als' die der Konventionen. Wir finden unö nickt geneigt, die Sündender Romantiker in diesen Punkten aufzuzählen (ohnehin ist dies Geschäftvon Andern fleißig und witzig genug betrieben worden); aber doch ge-hört es zu dem Charakteristischen dieser Zeit und dieser Dichtung, die sichvon den MoralitätSfordernngen so nachdrücklich lossagte, und dieserDichter, die das Leben so poetisch gestalten wollten, daß man wenigstensdaran erinnert, in welcher Weise sich in diesem Punkte, dem wesentlich-sten, worin sich die sorialen Neuerungen der Schule kund gaben, dieseideale Steigerung des Lebens äußerte. Wo man hinsieht, begegnet manin diesem Geschlcchte unter Dichtern und Dichterinnen gelösten und ge-brochenen Ehen, Selbstmord ans leidenschaftlicher Liebe, zügellosem, zumTheil aus Grundsatz zügellosem Leben; und wie besonders in Rom, An-gesichts der Mutter Kirche, in deren frommen Schooß man zurückgekehrtwar, unter den deutschen Geistern von dieser Schule lTieck und seinenFreunden) das Leben der heinsischen Romane verwirklicht, die freien mit-telalterlichen Ordnungen hergestellt, das lockere Ehewesen der romanischenVölker, das nie dem germanischen Charakter znsagte, Angeführt ward,dies skandalisirte selbst den Maler Mülder, der gewiß nicht ein übertrie-bener Sittenprediger war. Einer der Chorführer in diesen neuen Sittenwar Fr. Schlegel, und in seiner Lueinde wird die neue Philosophie desFleisches, die Lehre von der Ehrwürdigkeit der Natur gesetzlich gepredigt.Schlegel fühlt sich wie Heinse und Wezel berufen, die Prüderie derFrauen zu zerstören, die „Sinnlichkeit, diese wahre Unschuld" herzustcllen,
>07) Wo war' in aller Menschheit uäh'reS Anrecht
als zwischen Mann und Eh'frau? Wird ein solches
Naturgesetz verletzt durch Leidenschaft,
und große Geister, dein betäubten Willen
zu leicht sich fügend, widerstrebe» ihm,
so gibt's in jedem Volksrecht ein Gesetz
als Zügel solcher wüthender Begierden,
die in Empörung alle Schranken brechen.
Shakespeare.