Romantische Dichtung.
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Was der jungen Schule den Muth gab, ihre gesteigerten Tenden-zen so laut, so keck und ganz so ohne Schonung gegen die oberstenHäupter, wie es einst die Genialitäten gethan hatten, auszusprechen,war allerdings im letzten Grunde das gute Gewissen, mit dem sie sichan die Besten der Nation und die unbestrittendsten Muster Hingaben.Ueber dem ganzen Getriebe der nächsten Zeit schwebt der Geist vonSchiller's Kritik, von Göthe's Dichtung, von Herder's Reeeptionsgabeund romantischem Schwung, von Vossens Uebersetzungsknnst. DiesAlles stand in den Wer Jahren, als die junge Generation ihre Schulemachte, in höchster und ruhiger Blüte. Nun kamen neue Reizmittelhinzu, allzu mächtig, als daß nicht auch eine gesetzte Natur geirrt werdensollte. Jean Paul schien eine, ganz andere Zeit zu begründen, der eineneue Freiheit in die Dichtung, ein romantisches, poetisches Element indie moderne, wirkliche Welt brachte, was Göthe's Meister, die Schilde-rung eines Bundes - und eines Künstlerlebens, gleichfalls zu unterstützenscheinen konnte. In der Philosophie trat Fichte hervor; der Lärm, denseine ersten Schriften, die Kritik aller Offenbarung (1792), der Beitragzur Berichtigung der Nrtheile über die Revolution (1793), machten, dieParadorien seiner Wissenschaftslehre (1794), die ganz enge mit den Ten-denzen der Romantiker zusammenhängt, übertäubten das noch frischeInteresse an Kant, und da die jungen Poeten kaum die kantisirendeAesthetik Schiller's in ihrem wesentlichen Umfange angenommen undausgebreitet hatten, so sahen sie weiterhin auf eine neue Schönheits-lehre aus, die Fichte begründen würde. Vollends die (keinen gaben denAusschlag zu Gunsten der kritischen, „göttlichen Grobheit," die Fr. Schle-gel kanonisch empfahl, und die Fichte in seinem Ausfall auf Nirolai,einem Musterstücke derber faustrechtlicher Polemik, noch ganz anders alsdie poetischen Kritiker praktisch ausübte. Noch nicht genug. Die jungenMänner hingen unter sich wie in einer engen Sekte und Schule zusam-men, und dies steigerte ihre Zuversicht noch viel mehr. Fr. Schlegelhatte in der Europa etwas von einem Vorschlag zu einer gesellige» Ver-bindung zu höheren Zwecken verlauten lassen; daraus wollte WernerErnst gemacht sehen, ein eifriger Propagandist, der unter den höhernZwecken nicht blos die Sonettenpoesie verstanden wissen wollte, son-dern eine neue Religion. Franz Horn, der sich zwar dagegen auflchnt,daß man die Romantiker als eine Schule bezeichne, spricht doch die Nei-gung der Angehörigen dieses Bekanntenkreises geradezu ans, indem erbedauert, daß die Schlegel keine Schule gestiftet hätten. In demSinne, in welchem wir in diesem Abschnitte die ganze Zeit von 1795