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Romantische Dichtung.
bis etwa 1830 als die romantische Zeit unserer Dichtung betrachten, inder auch einzelne Gegner der engern romantischen Schule dem herrschen-den Geiste dennoch huldigen, den man nicht besser als mit der Bezeich-nung des Romantischen charakterisirt, ist es allerdings nicht thunlich,von einer Schule zu reden. Gewiß ist aber, daß (wenn auch die äußerenFormen fehlten, die doch fast nie bei einer literarischen Schule statthat-ten) dennoch eben jener engere Kreis der Schlegel, Tieck und ihrer An-hänger eine Schule, ja einen Bund und eine Sekte bildete, mehr alsder formal geschlossene Bund der Göttinger oder irgend ein anderer derfrüheren poetischen Klubs diesen Namen verdient, und daß sich Geistund Tendenz dieser Schule, eben weil es Sektcngeist war, in den einzel-nen näheren und entfernteren Gliedern auch nach dem ersten Rausche,indem nüchternen Alter, in der Prosa der Zeit, in stiller Oppositiongegen alle neuen Richtungen, znm Theil bis heute mit einer merkwürdi-gen Zähigkeit erhalten hat. Diesen Sektensinn begünstigte und fördertedie Lage der Zeit. Wo sich irgend ein Zweig nationaler Entwickelungenin einem neuen Triebe zeigt, sei es in Politik, Kunst oder Religion, dawird unter dem ersten Interesse eine Gemeinsamkeit statthaben, die mehrzn binden und zu vereinigen sucht; denn bei dem frischesten und erstenEifer darf sich die gesunde ungekünstelte Energie weite Ziele setzen.Allein sobald dieser Zweck erreicht ist und ein gewisser Besitz sicher macht,so dauert das Streben nach neuem Erwerb nur in engern Kreisen fortund steigert sich innerhalb diesen, weil sie sich in Absonderung und inFolge dieser in Opposition sehen, weil sie aus einem beschränkten Lokalemit lautem Ruf uoch immer über das Ganze zu herrschen suchen; esentstehen Klubs, Sekten und Schulen, die an die Stelle des Einengroßen Zweckes der Sache selbst besondere Nebenzwecke setzen und mitdiesen oft den Einen Hauptzweck gerade untergraben, indem sie ihn nochzu fördern meinen. Innerhalb dieser Kreise herrscht politischer, religiö-ser, ästhetischer Sinn namentlich während der Anfänge in größerer In-nigkeit und herzlicher Meinung und Ueberzeugnng; aber leider hat diesenie vor den größesten Einseitigkeiten, Täuschungen, Verzerrungen undden Sünden der Nebertreibung geschützt, die mit dem Abscheiden von demoffenen Markte des Lebens vielleicht noch inniger verknüpft sind, als dieSünden der Leichtfertigkeit und der Schlaffheit mit dem Weltsinn, dersich dem großen Strudel ohne Grundsätze überläßt. In jenem Fallewaren die Romantiker ganz. Ihre Sekrentendenz ging anfangs auf einegrößere Ausdehnung der Poesie, auf eine gesteigerte Wirksamkeit dersel-ben, auf eine allgemeinere Theilnehmung an ihren Segnungen aus;