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Romantische Dichtung.
edle Sache immer gewährt. Und dies Vergnügen würde noch ungetrüb-ter sein, wenn nicht die jungen Männer in ihrem frischen Eifer sich theilsmit ihren poetischen Erzeugnissen geschadet hätten, deren vielfache Kälteund Künstelei ganz der Wärme ihres Schönheitssinnes widersprach, theilsdurch die „Dürre, Trockenheit und sachlose Wortstrenge," mit der sie inihren Kritiken, kraft ihrer Neigungen für das reine Formale der Poesie,ihre größeren und würdigen Begriffe von der Dichtung selbst wieder hcr-abzogen, theils endlich durch die vielfachen Sonderbarkeiten, zu denensie ihre gespannten Theorien verleiteten. Denn so muß man leider ebenso oft die Seite des gesunden Menschenverstandes gegen sie nehmen.Man muß Wielaud und Herder, Göthe und Schiller nicht allein Rechtgeben, wenn sie bis zum Unmuth sich über die Qual der geistigen „Sck-katur" auslassen, die man über dem stets gekreuzten Sinn und Unsinndieser zudringlichen jungen Literatur empfindet ^), sondern es mußte einFreund der Schule, Franz Horn mußte es selbst zugebcn, daß man sogarden hyperboreischen Esel von Kotzebue neben manchen Sachen von Ro-bert und Jul. Voß mit Behagen lese, wo die wunderlichen Uebertrci-bungen der Neuerer in komisches Licht gestellt sind. Was aber vollendsdiese polemische Kritik cntwcrthen mußte, war die Pacteiliebe der Kritikerunter und für einander selbst. Sie setzten ein Mittelmäßiges aufs tiefsteherab, und rückten dafür ein anderes aufs höchste hinauf; indem sie dieUrtheilslosigkeit des Publikums angriffen, machten sie sich der größtenselber schuldig Tieck hieß in den romantischen Kreisen der einzige Dich-ter, der neben Göthe stehen dürfe. Die poetische Gesellschaft in Ticck'sPhantasus trinkt auf das Wohl des Shakespeare, Göthe, Schiller, JeanPaul, der Schlegel, Jaeobi, Novalis, der ein „Verkündiger der Religion,Liebe und Unschuld, ein ahnungsvolles Morgenroth einer bessern Zu-kunft" heißt. Diese Männer liegen hier, scheint es, iu horizontaler Reihenebeneinander; die Gegner würden sie aber auf einer Stufenleiter überund unter einander sehen, und würden mit Recht urtheilen, daß in einerähnlichen Reihe nach der Vergangenheit unserer Literatur hin die Geßuerund Kleist, die im Zerbino so weggcworfen sind, gewiß auf der Stufestehen würden, auf der hier Novalis steht.
I03> Fichte sagte vortrefflich von beiden Schlegeln: „Tiefe fehle dem älteren Bru-der und Klarheit dem Jüngeren; gemeinsam sei ihnen Beiden der Haß, welchen sieallerdings gegen das Gemeine hätten, und die Eifersucht, dle sie gegen das Höhereempfänden, welches sie doch weder zu sein »och zu leugnen vermöchten, und daher ausVerzweiflung übermäßig lobten." S. Varnhagen, Denkw. ?, 60.