Romantische Dichtung.
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darüber hinausgehe, werde unser Verstand albern und unser guter Willeschädlich. Dieß sollte» wir wirklich jetzt erfahren. Eine solche größereWelt, wie sie sich um uns her gebildet hatte, macht auch größere An-sprüche, die die schnell aufgeregte Jugend selten mit einem soliden Eifer,gewöhnlich mit überfliegendem Dünkel zu befriedigen sucht. Die Gunstder Gelegenheit schafft ihr schnelle Ueberblicke und frühe Umsicht, dielebhafte Phantasie und die große Intention, die der Jugend eigen ist,gibt größere Aussichten hinzu; ein vorschnelles Nrtheil bildet sich, undein grillenhafter Maßftab, wie er der Unerfahreuheit nicht minder eignet,wird an die Erscheinungen gelegt. Dies, mit allen seinen nothwendigenFolgen, war genau der Fall mit der jungen romantischen Literatur, diesich Angesichts unserer großen Dichter zur Fortführung des großen Lite-raturwerkes auschickte. Friedrich Schlegel sah in seinen Erstlingsschriftenunsere neue Literatur nicht sowohl entstanden, als zu entstehen im Be-griffe, und seine Freunde werden diese Ansicht in ihren himmelstürmeri-schen Bestrebungen nur zu gern getheilt haben. Wer so große Entwürfefaßt, dünkt sich gar bald, sie schon halbwegs ausgeführt zu haben, undcs kostete daher die ersten Romantiker nichts, ihren Märtyrer Novalisüber Göthe hinanszurücken. Je größer der gebrauchte Maßstab war,desto größer, fühlte man wohl, sollten die eigenen Leistungen werden;mit der Kritik ist wenig Ruhm zu gewinnen, die Produktion allein ver-heißt einen großen Namen. Aber hier blieben die Kräfte hinter den Ab-sichten zurück, und man schraubte sich daher entweder zu einer Bewun-derung höchst mittelmäßiger Werke, wenn sie nur von den Freunden her-rührteu, oder zu einer erhöhten Ansicht von Dichtung und einer erkün-stelten Anstrengung, um dieser Genüge zu leisten. Dunkle Ideen, dieden Kopf spannen, Leidenschaften, die das Herz schwellen, die Sinnlich-keit, die wie eine neue Welt den Jüngling ergreift, die Phantasie inihrem Gefolge, die keine Begrenzung kennt, das Alles täuscht mit derVorspiegelung einer inneren Begeisterung, zumal wenn die Umgebungbegierig auf jede Regung des gebärenden Berges lauscht; unbestimmteAhnungen nähren den Stolz der jungen Seele, das Unklare, was in ihrarbeitet, dünkt ihr tief, das Ungeordnete genial, der empfängliche Sinnfür das Schöne verbürgt ihr das Talent, die Selbstbefriedigung derSchwärmerei steigert die Meinung von sich selbst. Aber was von alldiesen Täuschungen die letzte Frucht war, haben so Viele jener romanti-schen Weltverbesserer zu ihrem Schaden, ja zu ihrer Schande erfahren,und Göthe hat es treffend gesagt, daß der unglaubliche Dünkel, in den
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