Romantische Dichtung.
523
zu Jean Paul und Hoffmann, als ein ernstes BildungSstrebcn zu Les-sing, Göthe und Schiller, obgleich dorthin der Schotte Carlyle aufeine würdigere Weise unserer Dichtung den Eingang vermittelte. Seitsich dieser mit Göthe in Verbindung setzte, italienische Dichter zu dessenFahne schwuren, der Globe sein Lobpreiser ward, Byron und Srott seineWerke benutzten, gefiel sich der alte Herr in dem Gedanken einer Welt-literatur, denn in der That war es nun dahin gekommen, daß das gei-stige Eigenthum von Deutschland unter dem Schutze des Friedens undder Allianzen in die Länder Europas auögefahren, und umgekehrt demFremden zu erneutem Zuflüsse zollfreier Eingang gestattet ward. DieZeiten des Mittelalters und der Kreuzzüge hatten sich erneut, die Völkerwaren sich massenweise aus Ungeheuern Entfernungen nahe gerückt, eineUniversalmonarchie hatte gedroht, und nachdem sie verschwunden war,faßten die lebhaften Gemüther der Jugend den Gedanken einer Weltrepu-blik und ergriffen eben so begierig die hingeworfene Idee der Weltlitera-tur. Neue geistige Bedürfnisse waren unter den Berührungen der Na-tionen wechselseitig aufgegangcn, ein Gedankenverkehr trat in raschemUmschwünge ein, wie ihn die Ereignisse seit lange nicht begünstigt hat-ten, und wie man sich nach vollendeter Revolution eines Glcichbesitzesbürgerlicher und socialer Veränderungen freute, so auch einer Gemein-samkeit des literarischen Eigenthums: dem: selbst kein Brosämlein frem-der Tafeln geht nunmehr verloren, seit die Verpflanzung und Versendungein Gewcrb worden ist, das seine Leute nährt, seit das Brod, wie schonMerck fand, nach Genie geht. In den literarischen Bestrebungen der ein-zelnen Nation'en ist unverkennbar eine Uebereinstimmung hervorgetrcten,die von den Siegen deutscher Wissenschaft und Kunst ein entschiedenesZeugniß ablegt: ein glänzendes, wo von Wissenschaft die Rede ist, inder wir immer Meister waren; nicht also, wo es sich um Kunst undDichtung handelt. Die Erforschung von Geschichte, Alterthum undSprache hat in den slavischcn Nationen, in Belgien, in England, inFrankreich eine Gestalt angenommen, die das augenfällige Abbild unsererstill emporgewachsencn Gerichtspflege ist und der durch ihre Wärme undEnergie einzigen Altcrthums- und Sprachkunde, die die Brüder Grimmunter uns hervorgerufen haben. Hier ist Alles erfreulich, voll Gedeihenund Wirkung, was da geschieht; allein eS begünstigt freilich, scheint es,das Nativnalgefühl mehr, als den Propagandisten lieb sein kann, dieallen Volkögeist verwischen möchten. Anders scheint dies in der Poesie.Seitdem Byron, der sich an dem Jugendgeiste Göthe's und den Rich-tungen unserer Genialitäten des I8.Jahrhs. genährt hatte, und der nach