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Schiller und Göthe.
Franzosen darbieten konnte. Schadete dein Dichter die ästhetische Be-wußtheit in seinen Werken, so entschädigte diese Bewußtlosigkeit der na-tionalen Sympathie, mit der er das Volksleben in seinen Diesen ergriff.Daher kam es, daß eben in jenen Jahren einer kräftigen Emporraffungdie nationale Theilnahme an Schiller'n hing, und so wird cs in denSchwankungen des Geschmacks und des Interesses immer bleiben, daßSchiller in erregteren Epochen in der Achtung vor Göthe voraustrcten,daß man je nach der aktiven oder passiven Natur der Zeiten den männ-lichen oder den mehr empfänglichen, den äußerlicheren oder innerlicherenDichter hervorziehen wird. Die ganze historische Dramatik, die mit denJahren unserer historischen Bedeutung aufkam, schloß sich an Schilleran, eine patriotische Schule folgte seiner Spur, und unsere Frcihcits-jugend jener Jahre verwarf seinen großen Nebenbuhler. Der Patriotis-mus und die Politik unserer Jugend, waren sie nicht noch bis ganz vorkurzem von dem idealen, poetischen und chimärischen Anstriche noch immergefärbt, den sie bei ihrem ersten Auftauchen aus Schiller empfingen?Und was Wunder auch, da wir nichts in unserem geistigen Leben hatten,was so unmittelbar und so gewaltig den Geist heraufbeschworen und denSchwung der Begeisterung geschaffen hätte, der allein das deutsche Volkaus seiner Lethargie zu dem Werk von 1813 aufweckeu konnte. Die Ideeder Freiheit, die Schiller's Werke in ihrem vollen Umfange durchdringt,griff die politische Zeit politisch, und jene Dramen von der BefreiungGenuas und der Niederlande, der Schweiz und Frankreichs, schienen jain der That wie eine absichtlich ausgcstreute Saat, aus der so bald überdem Grabe des Dichters die Frucht der Freiheit aufschließen sollte. Dashat Friedrich Schlegel sehr wohl ausgefunden, daß Schillerder eigent-liche Revolutionsdichter war, ein starker und energisch wirkender Schrift-steller (und darum stehen auch die Restaurationsschreiber unter den Ro-mantikern in solchem Gegensatz gegen ihn), während Göthe später demerschöpften Geschlechts wieder mehr zum Bedürfnisse ward, weil er sichdessen schwacher Seiten zu bemeistern gewußt. Unter dem Rückfall inneue politische Passivität ließ dann die innere Freiheit leider auf sichwarten, die unser Dichter nicht weniger uns vorgebilvet hatte. Aber dieIdeen sind darum nicht verloren; sie üben lange ihre Macht über dieGefühle und Herzen, sie gewannen Macht über die Köpfe und Ueberzeu-gung, und werden Macht erlangen über die Handlungen und den Wille».DaS war Schiller's eigene Aussicht, und wenn er selber heute eine Ge-schichte der deutschen Dichtung zu schreiben hätte, er würde den letzten,den ästhetischen Standpunkt der Volksbildung einen gewesenen nennen,