Schauspiel.
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geregelte Stück folgte Wilhelm Teil (1804) in dem freiem Gangeines dramatisirten Epos, wie es der nicht tragische Stoff verlangt.Shakespeare'ö Cäsar hatte die Idee dazu vorzüglich gegeben. Auch beiTell trifft es zu, daß der Beifall gerade hier im Allgemeinen am unge-theiltesten ist, wo wieder sehr wesentliche Fehler im Einzelnen ausgesetztwerden. Die ästhetische Regel sehen wir willig in den Hintergrund tre-ten, wo höhere Rücksichten gebieten. Wer die Parallele zwischen Tell undParricida tadelt, muß über dem ästhetischen viel moralisches und nochmehr praktisches Gefühl verloren haben: denn nicht ohne Grund brauchtder Dichter jedes Mittel, den uneigennützigen Tyrannenmord vor derdurch Entnervnng delikat gewordenen Moralität unserer Tage zu retten,worin er nichts Anderes that, als was selbst sehr christliche Männer insehr christlichen Zeiten auf offenen Koncilien gethan haben. So kannman ästhetisch auch überhaupt einen anderen Tell denken, in einem Tone,der dem Naturalismus mehr schmeichelt; allein wir zweiflen, ob dieschweizer Jugend einen solchen mehr lieben würde als diesen, und obSchiller':: ein kritischer Bewunderer lieber würde gewesen sein als einpatriotischer. Denn das Stück ist ganz von Vaterlandsliebe durchdrungenund mahnte in schweren Zeiten an ernste Pflichten; die freie Lust derVolksbewegung weht trefflich in diesem Gegenstücke zu Wallenstein, woalles militärisch und ordonanzmäßig hergeht. Wie anders mußte mandies Drama in jenen Jahren der französischen Zwangsherrschast lesen,wie anders die Jungfrau von Orleans, deren ganzer Inhalt die ähnlichenVerhältnisse schilderte, unter denen das deutsche Land seufzte! WenigeJahre nach Tell brach der tiroler Aufstand aus, und bald ergriff diedeutsche Nation eine Begeisterung in ihrem Freiheitskampfe, die selbst inso nüchternen Zeiten manche Erinnerung an jene Befreiungskriege der
gegen dasselbe klar nnd leicht ausspricht. Zweierlei tadelt nun Humboldt an Schiller'sChor. Er ist de» handelnden Personen zu nahe, nnd hat in sich nicht den Reichthnm,den er haben könnte; es fehlt ihm an Ruhe und Bewegung zugleich. Er hätte nichtBe-gleiter der Brüder kein sollen; da ihr eigener Ehrgeiz ins Spiel kommt, so ist ihr Urtheilnicht das unparteiische des Schicksals. Der Chor muß unmächtig, dienend, schwachsein, aber frei, und nicht einmal durch Neigung gefesselt. Hier aber tritt freilich dieSchwierigkeit ein, daß bei uns Alles motivirt sein soll; und wie soll man den Chormotiviren, ohne seinem reinen Begriffe zu schaden? Oder muß die Strenge des Motivi-rens hier etwa nicht beobachtet werden? Daß die Handlung selbst mit Nothwendigkeitauseinander fließe, hat seinen natürlichen Grund; allein der Chor ist wie der Himmel ineiner Landschaft: es versteht sich von selbst, daß er da sei, denn jede Handlung gehtdurchs Gerücht ins Volk aus.
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