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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
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Schiller und Göthe.

wahren Menschen erkannt hatte, wer ihn beobachtet, wie er sich die realeWeltbetrachtung anzueignen sucht, wer seinen Preis der naiven Dichter-natur und seine zeitweiligen Entscheidungen zu Gunsten der Leistungendes praktischen Talentes vor dem Ringen des ausstrebenden Idealistenliest; oder, wer Göthe'n nach den Forderungen des griechischen Idealsin Italien schaffen und sich von den Auswüchsen der Leidenschafts undNaturtheorien seiner Jugend befreien sieht, wer ihn Schiller'n zugebenhört, daß er ihn von der allzu strengen Beobachtung der äußeren Dingeauf sich selbst zurückgeführt und die Vielseitigkeit des innern Menschenbilliger ansehen gelehrt habe, der wird nicht sagen wollen, daß dies eitleTheorien seien, die der Kopf mit dem Herzen in Zwiespalt ausgestellthabe. Wenn der Eine den Lobredner der Zeiten reiner Kultur machtgegen die romantischen Erneuerer des Mittelalters, und der Andere sichder reinen Natur gegen die idealistischen Jdyllenschreiber annimmt; wennSchiller einmal der Leitung des Instinktes vertrauen heißt, und Göthedem Menschen in seinem zerbrechlichen Kahne deshalb das Steuer in dieHand gegeben sieht, daß er nicht der Willkür der Welle, sondern demWillen der Einsicht folge: so scheinen Beide ihre Rollen getauscht zuhaben. Aber dies sind Einzelheiten der Rede, die wenig bedeuten; vielwichtiger ist ihr Rollentausch in ihren Leistungen. Daß sie gerade dortden ungethciltesten Beifall fanden, wo Schiller dem realistischen undGöthe dem idealistischen Principe zu huldigen schien, das beweist dochwohl, daß Jeder ohne Zwang an der ihm fremderen Natnr wirklichenTheil hatte. Und in der That ruht dieser Beifall ganz auf dem dunkelnGefühle der Anerkennung jener totalen Natur, die eben in diesen Erzeug-nissen am schönsten zu Tage kommt. Die Mischung der Elemente, diediese Werke überhaupt möglich machte, ist nicht allein für die beidenMänner selbst, sondern für die deutsche Natur überhaupt ein Ruhm.Göthe, der ganz auf die Kunst, die Pflegerin des Ideals, angewiesenwar, brachte ihr eine rein realistische Natur entgegen. Er, dem es Bc-dürfniß war, mit der Wirklichkeit zum künstlerischen Abschlüsse zu kom-men, zerstreute sich gerade in universaler Bereicherung; er stellte dasinnere Seelenleben dar, voll Beruf gerade die äußere Welt zu behandeln,deren Schilderung ihm nur da glückte, wo seine reiche Seele den äußerenEindrücken etwas entgegenbrachte. Schiller, der zwar Alles auS seinemInnern zu spinnen schien, mußte doch von den äußeren Zeitereignissenim Großen erst bewegt werden; er weilte im Reiche der Ideen, und wardoch ganz von der Wirklichkeit und Gegenwart bestimmt. Der mehrBeruf zu haben schien, das innere Seelenleben zu malen, dem Erfahrung