Gemeinsame Thätigkeit.
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an seine physische Natur machte, die für seine Kräfte zu gewaltsam waren.Der tragische Dichter brachte seinem Berufe einen tragischen Charakterentgegen. Weniger angcschlossen an den Naturgang/ ringend nach einemselbstgesteckten Ziele, ankämpfend gegen äußere Verhältnisse und Hem-mungen, überbot er seine inneren Kräfte, eilte zu hastig und angestrengtauf der betretenen Laufbahn fort, und sank, ein Opfer seiner Strebsncht,in zu früher Erschöpfung. Mitten im breitesten Ergüsse seiner Wirksam-keit raffte ihn das Schicksal hin, während Göthe still und fast unmerklicheinen späten Ausgang nahm. Dieser, wie ein gedehnter Strom im Ge-birg entsprungen und beim ersten Laufe im raschen Absturz begriffen,vann den ruhigen Fluß im reizenden Thale und geregelten Usern bewe-gend, ward langsamer im flachen Bette der ebenen Gegend und verlorsich zuletzt wie unsichtbar in sich selbst; der Andere ein kurzer Userstrom,noch wilder im Anfang, stemmte sich in der Mitte seines Laufes in einenbreiten See, den Weg bedenkend, und ergoß sich dann ungeregelten, aberschnell beendeten Laufe mit voller Mündung ins Unendliche.
Hält man so die Gegensätze in beiden Dichtern ausschließlich imAuge, so sieht man wohl, wie schön sich diese gegensätzlichen Charakterenach der Ansicht Göthe's zu einem Verhältnisse der wechselseitigen Er-gänzung eigneten, wenn nur die BindnngSmittel nicht fehlten. Hierzuscheint es nöthig, daß sie sich, wie es ihre obersten Theorien mit sichbrachten, selbst der mittleren Stellung zwischen jenen widerstrebendenRichtungen des menschlichen Wesens genähert hätten, und verliert mansich erst recht in die Verschiedenheit ihrer beiderseitigen Naturen, so scheintes kaum möglich, daß man auf ein anderes Symptom dieser Annäherungbei ihnen stoßen sollte, als höchstens auf jene Theorien, die so häufigtodte Worte sind. Allein sieht man nur von der Parallele zwischen Bei-den ab, und stellt sie grelleren Gegensätzen gegenüber, so wird man so-gleich fühlen, wie versöhnlich sie sich einander nahe kommen, die sich erstso abznstoßen schienen. Gegen Lichtenberg oder Nicolai gehalten, wirdGöthe zum Idealisten, Kant und den späteren Philosophen gegenüber,erscheint Schiller als ein Sensualist; gegen Göthe gehalten ist Schillerder Dichter des Bewußtseins, gegen die Romantiker ein naiver und in-stinktiver Poet. Aber auch in Beiden, an sich und unter sich betrachtet,erkennen sich die Merkmale bald, die es beweisen, daß es ihnen Ernstwar um die Erweiterung ihrer einseitigen Natur. Wer Schillcr'n vondem glücklichen Zeitalter der Welt in Poesie und Prose reden hört, woder Gott noch im Baume wohnte, wer ihn mit jenem Eifer ringen sieht,die graue Metaphysik abzuwerscn, nachdem er in dem Dichter den einzig