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Schiller und Göthe.
Bessere sieht und dem Schlechter» zu folgen gezwungen ist, theilte, wennman will, gerade diese Beiden wieder am entschiedensten zwischen Beiden.Diese Aehnlichkeit und Verschiedenheit unter ihnen, diese Uebereiustim-mung im Ziele und Abweichung im Wege ist der springende Punkt, ausden ihre Charakteristik auslaufen muß, auf den sich jeder einzelne Aktihres Lebens und Strebens, wie die Gesammtäußerung ihrer Naturenzurückführcn läßt. Als Göthe Schiller's ästhetische Briefe unbefangenlas, in denen der neugeborene Mensch aus jedem Satze heraussprach,mußte er erstaunt sein, den spekulativen Freund oder Feind auf ganzanderer Bahn zu demselben höchsten Lebensprincip gelaugt zu sehen, zudem er selber aus der Anschauung von Natur und Kunst gekommen war.Jene ganze Reihe der schiller'schen Begriffe drückte ja nichts Anderes aus,als Göthe's eigenes Bedürfniß, zu jener Harmonie zwischen den streiti-gen Naturen im Menschen zurückzukehren, die die griechische Welt unge-trübt besaß, und gleiche Wärme für diese glückliche Periode der Mensch-heit schien in Beiden diese gleichen Grundansichten gebildet zu haben.Die ähnliche Liebe zu den Alten, die Schiller',, schon früherangefaßthatte, hielt auch in dieser Periode aus, wo er sich mit der ruhigen Ver-nunft und schönen Natur in ihren Schriften absichtlich umgab, der eitlenRomanlektüre und bald der Spekulation selbst entsagte, wo er so spätnoch anfangen wollte Griechisch zu lernen, und den Deutschen hieß nachrömischer Kraft und griechischer Schönheit zu ringen, die ihm besser ge-längen als der gallische Sprung. Jene Lehre, Natur und Kultur zu ver-mählen, auf der Spitze der Erkenntniß zu dem goldenen Glücke derMenschheit zurückzukehren, das sie vor aller gctheilten Erkenntniß besaß,diese Vorschrift, die jeder große Mann des Jahrhunderts in Deutschlandsich und dem Zeitalter gab, dies Princip, zwischen dessen streitigen For-derungen Herder und Wieland noch schaukelten, Jean Paul sich inErtreme theilte, dessen widcrsagerische Elemente Göthe in, Faust zurAnschauung brachte, erscheint bei Schiller auf der Höhe klarer Ueberzeu-gung und besonnener Einsicht. Alle seine Schriften durchdrang von seinerphilosophischen Zeit an die Tendenz nach richtiger Begrenzung der beidenGrundtriebe der menschlichen Natur, des sinnlichen und geistigen, nachihrer Gleichstellung, nach der Wiedererlangung der totalen Menschen-natur. Ueberzeugt, daß zur Entwickelung der einzelnen Kräfte der Mensch-heit ihre Trennung in dem Zeitalter einseitiger Bildungen nothwendigwar, war er es nicht minder, daß nun die Zeit gekommen war, dieseTrennung wieder aufzuheben, denn was auch Großes die Kräfte in,Streite wirken, sang er, Größeres wirket ihr Bund. Ueberall suchte er