Gemeinsame Thäligkeit.
461
zwei Hauptepochen, Hauptformen und Hauptcharaktereu, die die Tragö-die gehabt hat. Seine Beschränkung auf die tragische Gattung gestatteteihm nicht, mit jener protcischen Wandelbarkeit Göthe's alle Formen zuversuchen und nachzuahmen; ec ergriff mit Einsicht und Wahl die beidenHauptgestalten, die die wesentlichsten Vorzüge der Gattung zusammen-rückten, und verband sic mit solcher Originalität, wie sie im Angesichteso vieler verführerischen Muster in einer so späten Zeit kaum denkbarwar. Ec brachte die shakespeare'sche Fülle, die der Einförmigkeit desantiken Trauerspiels entgegenlag, und die alte Form, die der epischenMannichfaltigkeit dcö historischen Dramas widersprach, mit eigenerVirtuosität einander nahe, und seine Charaktere halten sich in einer Mittevon der typischen Art der Alten und der individuellen des Shakespeare.Jean Paul fand, daß Niemand nach Shakespeare so sehr als Schillerdie historische Auseinanderstreuung der Menschen und Thaten so kräftigzu einer dramatischen Phalanx zusammengedrängt habe, und als Götheden Wallenstein in Shakespeare's Sprache übersetzt las, ging ihm „diegroße Analogie zweier vorzüglicher Dichterscelen auf." DaS historischeDrama war ihm eine Zeitforderung, die er ehrte und achtete; erwiesdaher die Anmuthuug Süveru's, sich der sophokleischen Form enger au-zuschließen, entschieden zurück; „das lebendige Produkt einer individuellbestimmten Gegenwart einer ganz heterogenen Zeit zum Maßstab undMuster aufdringen, hieß ihm die Kunst, die immer dynamisch und leben-dig entstehen und wirken muß, eher tödten als beleben." Nur bedingtgab er die göthische Forderung zu, das Jahrhundert bei der Produktionganz zu vergessen; aber er that das Mögliche, um auch die höchstenWirkungen der Kunst und ihrer reinsten Form neben der Bequemungnach den Zeitbcdürfnissen zu berücksichtigen, und dies entfernte ihn wiedervon Shakespeare, und ließ ihn darauf denken, den Chor zurückzusührenund sich an Aristoteles' Schema anzuschlicßen. So erscheint er überall,wie wir früher sagten, zwischen Shakespeare und Sophokles in der Mitte,gleich entfernt von der einförmigen Gestalt der alten Stücke, in denen dieKatastrophe das Ein und Alles ist, und von dem Charakter der ursprüng-lichen dramatischen Historie, von dem an den shakespeare'schen StückenVieles hängen blieb. Er verband also zwei heterogene Gattungen; undganz gegen Göthe's Sinn, der diese Mischungen in aller neueren Poesieverwarf und überall die rein gehaltenen Gattungen, wenn er sie auchnicht immer lieferte, doch immer verfocht, vcrthcivigte er dies Prineip ge-radezu, weil cs in den Bedingungen der Zeit geboten war: wir hättenkeine Rhapsoden mehr, noch die Welt für sie, und darum könne der Epiker