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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
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Schiller und Gvthc.

erst wahr und dann schön, charakterisirt ist, ist sie es bei Schiller um-gekehrt: erst schön, dann wahr. Bei Betrachtung seiner weiblichen Cha-raktere gegen Göthe'S, und der Ansichten, die er über weibliche Naturäußert, ist der Unterschied am schlagendsten. Ueber die sämmtlichenFranencharaktere der griechischen Dichtung spricht er ein wegwerfendesUrtheil aus: die schöne Seele im Meister, eine Gestalt, die den katho-lisirenden Stolbcrg begeistern durfte, die aber sonst an sich selbst, undaußer alle Vergleichung gestellt, beschränkt und widerlich ist, war ihmlieber als alle!! Humboldt überdachte sein Verhältniß zu Göthe'SFrauencharakteren, in denendie Natur am meisten Natur ist;" er fand,daß sie Schiller'» schwierig werden würden, er hätte sagen dürfen,unmöglich. Vortrefflich bemerkt er dann, daß Schiller der Natur, ehesie auf ihn cinwirke, entgegcneile, daß er nicht sowohl aus ihr schöpfe,als nur, durch sie begeistert, ihr Bild in sich mit eigener Kraft schaffe,und daß dies seinen Figuren einen gewissen Glan; leihe, der sie vonNatnrwcsen unterscheide, daß er dadurch derNatnc weniger treu erscheine.Und hierzu fügt er den Zweifel über den Vorzug der beiden Eigenschaftender Natnrtreue und Natursteigerung, des poetischen Realismus undIdealismus, der in Jedem natürlich aufsteigen muß, der die Neigungender Menschheit von jeher hierzwischen getheilt sieht.Es verdient erwogenzu werden," sagt er,ob nicht die dramatische Poesie mehr als jede andereverlangt, daß der Dichter unmittelbar ans der Natur schöpfe. Nirgendswill man so unmittelbar durch die Wirklichkeit gerührt sein. Vielleichtaber geht man auch hierin zu weit, und eS rührt dies ans einer nichtganz reinen ästhetischen Stimmung her, die unter dem Namen Naturnur etwas Materielles sucht und für die Einwirkung der Kunstform nichthinlänglich empfänglich ist." Schiller würde ganz dem letztem beigestimmthaben. Er floh die Naturwahrheit in Shakespeare schon in seiner Jugend,die ihm voll Kälte schien, er flüchtete sich in seiner spätem Periode zuden Griechen, deren Kothurn ihm mehr zusagte. Seit er über den Oedi-pns von KolonoS las, schwebte ihm ein ganz neues Ideal vor; jetztward er ein Neider der Iphigenie Göthe'S, und Aeschylos' Stücke inStolberg's Uebersetzung begeisterten ihn zur Produktion, und hinfortsuchte er in Shakespeare gern auf, wie er des Aristoteles ForderungGenüge that, und in seinen historischen Stücken interessirten ihn dieNemesis und die Behandlung der Volkscharaktere, wo der Stoff denDichter zwang, gegen seine Gewohnheit mehr Gattungen als Individuendarzustellcn, und wo er die meiste Annäherung an die Alten zeigt. Sosuchte er und fand sich seine Stellung völlig in der Mitte zwischen den