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Schiller und Görhe.
menschlichen Empfindungen durchgeht, und ans ganz lyrische Weise dasLeben mit seinen wichtigsten Ereignissen und Epochen wie ein durch na-türliche Grenzen umschlossenes Epos zeigte." Von der eigenthümlichenSpannung in Schillers Geiste zeuget diese didaktische Lyrik am stärksten,und darum ist sie für so Viele, die diese Gedichte nur in der Jugend ge-lesen haben, wo sie dem Gedankengauge uicht zu folgen fähig waren,ein bloßer schönklingender Wortschwall, und eö ist nicht zu leugnen, daßsie diese Eigenschaft auf die gedankenlosen und formfrohen Lyriker über-getragen habe, die sich an Schiller anlehnen, und die in dessen Musen-almanach sich anfangen (wie Matthisson, Koscgarten, die Mereau,Cvnz u. A.) zusammen zu gruppiren. Wem die Gegenstände so gesteiger-ter Empsindungen unklar sind, dem können die Empfindungen selbst un-wahr erscheinen und ihr Ausdruck ein falscher Glanz. Das schöne, leichteSpiel mangelt, das den Besitz ästhetischer Freiheit schon an der Schwelleverkündet; die eigentlich lyrische Gattung, die rein aus dem Gefühle undunmittelbar entspringt, war Schillern nicht eigen; er fühlte sich auchnicht dahin gezogen; er hielt das lyrische Fach für das kleinlichste undundankbarste unter Allen und sah es eher für ein Erilium, als für eineeroberte Provinz an. Daher geht ihm das schlanke Lied, das mühlos,wie die Natur schafft, aus dem Nichts entstanden scheint, ganz ab, oderist, wo eö sich findet, von geringem Belange. Hier war Göthe groß:ihm war jene Leichtigkeit und Fülle gegeben, die sich zu unbemühtcmSchaffen in sich gedrungen fühlt. Er war der rechte Künstler, bei dem„das Angeschaute und Empfundene und Erfahrene zu dem verstandenstenAnsdrucke drängt, ohne durch die Erkeuntnißkraft durchgegangen zusein"; er wandte der ganzen Didaktik, bis ans einige Gnomen, denRücken; er wollte nicht, daß unsere Lieder immer in den höchsten Aetherstiegen. Er bedurfte nicht fremdartiger Lehrer, die ihn geschult hätten;keine Reflexion brauchte seiner Empfindung Nachdruck zu geben; er schiensich im rechten Gleise zu wandeln, wenn er denkend nicht wußte, was erdachte: dann schien ihm Alles, was er empfing und gab, wie geschenkt.In schärferem Gegensätze können beide Dichter nicht gesehen werden, alswenn man neben Schiller's Gedichte dieser Zeit Göthe's römischeElegieen und seine veuetianischen Epigrammehält, oder nebenden Plan seiner idealen Idylle von Herkules und Hebe Göthe's Alerisund Dora, was sämmtlich in den schiller'schen Zeitschriften dieser Zeiterschien. Denn hier trat Göthe noch entschiedener und kühner in denGeist des Alterthums, auf den Stand des Properz hin, immer diedeutsche Innigkeit und moderne Eigenthümlichkeit, trotz Leichtsinn und