Gemeinsame Tharigkcit.
405
I wollen, durch Kälte und Vornehmheit abschrecken muß. Wir können
I uns hier auf dies formale Verdienst der Horen beschränken, weil wir
das Wesentliche, was Schiller und Göthe hineinlieferten, dem Stoffnach schon vorher besprochen haben. WaS wir nicht besprachen, hateigentlich nur formale Bedeutung: Schiller's kleine historische Aufsätze^ haben keine anderen als stilistische Verdienste, und Göthe, der sich ohne-dies erst allmählig wieder zu ernsten Arbeiten erholte, übersetzte den Cel-lini, eine Arbeit, die von jedem Andern, nur eben formal nicht so, ge-, macht werden konnte. Der Zweck übrigens, den Beide gehabt hatten,
I ward mit den Horen nicht erreicht, weil die Mittel fehl gewählt waren.
Es war ein unglücklicher Gedanke, in einer Form das Klassische undGroße geben zu wollen, in der das Müßigste und Behaglichste gesuchtwird. Eine Thätigkeit für Zeitschriften sagt keinem höheren Bestrebenz». Man arbeitet im Solde des Verlegers, unter der Ruthe der Perio-dieität, man lernt leichtfertige Zwecke wider Willen und zu diesen leicht-fertige Mittel zu gebrauchen, man wird mit Schriftstellerkniffen und mitden Schwächen des Publikums bekannt, welches der Journale am mei-sten bedarf, und welches unstreitig der Theil ist, der die niedrigsten,aber meisten Ansprüche macht, und die wenigste Rücksicht verdient. Sosieht man denn auch hier in den Briefen Schiller's und Göthe's überdie Horen theils in eine ganz unwürdige Wohldienerei, theils in eine^ Mystifikation hinein, mit der man das Publikum behandelt, und hörtvon Prellereien und bezahlten Recensenten. Bald mußte man sich herab-, lassen und für leichte Waare sorgen, und man verlor so die erste Rich-l tnng, nur für die Besten zu sorgen, ganz aus den Angen. Nach doppel-I ten Seiten hin täuschten sich die Herausgeber ganz. Nach der Seitej der Schriftsteller hin schien es, als ob des Guten nur für eine so engeZeitschrift nicht hinlänglicher Vorralh wäre; Nebersetzungen von aller-band Art mußten die Lücken füllen; manches Mittelmäßige mußte aus-genommen, und Mitarbeiter, wie Archenholz, um SukkurS gebeten wer-den. Nach der Seite des Publikums hin legte sich dessen ganze Urtheils-longkeit baar und offen dar, man verwirrte die Verfasser (hat ja ein soberühmter Kritiker wie Fr. Schlegel die Agnes von Lilien der Frau vonWoizogen für göthisch gehalten!), man schrieb Schillerst: zu, wasGöthe'n, Göthest: was Schiller'n gehörte, ja Göthe'n, was von Engel,und Schillern, was von Woltmann herrührte; man fand die Arbeitenvon Engel leicht für daS Beste, was die Horen enthielten; der Absatzentsprach den Erwartungen nicht. Göthe fand später, daß sie die schönsteZeit erfolglos verschwendet hätten; Schiller fühlte bald, daß ihm die