Gemeinsame Thäligkeir.
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schätzenden Tone von dieser Verbindung sprach. Er hielt den Punkt fest,den wir Göthe'n selbst haben angeben hören, von dem ans wir selbstdiesen Bund betrachten und achten müssen, und wobei der materielleNutzen und einzelne Erfolg nur im Hintergründe erscheint. Wären sichBeide früher begegnet, wo Göthe's Thätigkcit noch nngeschwächt,Schiller's Bestimmbarkeit noch größer war, so wäre es allerdings mög-lich gewesen, daß die Anregung für das einzelne Wirken bedeutendergeworden wäre; cS hätte aber eben so wohl auch die Gefahr eintretenkönnen, die Schiller jetzt allzu ängstlich besorgte, daß ihn Göthe überden Haufen geworfen hätte, und die andere, daß Schiller's Einfluß ansGöthe'n ganz verloren gegangen wäre. Ja, wer die frühere Lage vonBeiden überdenkt, der wird sich erklären, daß die bisherige Abstoßungunter Beiden nicht Laune oder Zufall, sondern Nvthwendigkeit war; undGöthe selbst fand etwas Dämonisches darin, daß sie sich gerade jetzt be-gegneten. Denn nun trafen sie als abgeschlossene Naturen zusammen,nachdem die unduldsame Jugend vorüber war; reich wie die letztenReisegefährten auf einer langen Reise, die sich am meisten zu sagen haben;sie gewannen sich jetzt durch das Fertige, das sie besaßen, nicht durch eindunkles Bestreben nach einem ungewissen Erwerb, das in den 7t)crJahren die Gemüther nur ans Augenblicke zusammcnhielt, um sie späterdesto weiter zu trennen. Indem sie sich nach und nach in einander ein-lebten, fanden sie, daß ihre verschiedenen Naturen sich doch in wesentlichenDingen ähnlich waren, daß ihre getrennten Bahnen in den Zielen zu-sammenliefen, daß ihre Werkzeuge verschieden, ihre Endzwecke gleichwaren. Da sie dieses Endzieles bald sich bewußt wurden, da sie die Un-befangenheit hatten, alle persönliche Rücksicht dem Interesse an ihrer Sachezu opfern, so gründete sich ihr neues Verhältuiß, wie Schiller sagte, aufwechselseitige Perfektibilität, oder, wie Göthe treffender andeutete, aufErgänzung. Sie suchten die Gegensätze in sich nicht zu lösen und zuschmelzen, sondern sie erkannten sie als die getrennten Hälften der totalenmenschlichen Natur, die nur in der Idee eristirt, und die sie Beide zugegenseitiger Ueberaschung ganz auf demselben Punkte suchten. Sieschlossen, nach den Worten des Einen, den großen Bund zwischen Objektund Subjekt, zwischen Natur und Freiheit; es begegnete sich, nach denWorten des Anderen, der spekulative Geist mit dem intuitiven, indemjener lernte sich der Erfahrung zu nähern, und dieser dem Gesetze; eskonnte Jeder dem Andern etwas geben, was ihm fehlte, und etwasdafür empfangen. Es kam unter ihnen dahin, daß dieser Tausch derNaturen bis zur Täuschung für Andere führte; sie trugen ihr gegen-
Gerv. d. Dicht. V. Bd. -)g