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Schiller und Göthe.
herbeiführen oder auf immer stören konnte, Göthe den Beweis lieferte,wie liebevoll er die Natur, die so gegensätzlich gegen die seine war, um-faßte, wie tief er sie beurtheilte, und welchen Vorrang er ihr im Reicheder Dichtung vor feiner eigenen zugestand, was Alles die nachfolgendentheoretischen Schriften, die wir vorwegnehmend eben kennen gelernt haben,des Weiteren belegten. Wer die Verbindung, die auf diese entscheidendeHandreichung wirklich erfolgte, und bis zu Schiller's Tode, ja über ihnhinaus, ungebrochen dauerte, ins Gemeine herabziehen will, der hatnur leichte Mühe. Er kann sagen, daß äußere und innere Vortheile siegeboten,' daß der Minderbegabte Dichter, der mit dem größeren den Wctt-lauf begann, und der im Alter vorgerückte, der in der Mißgunst der Zeites noch mit dem raschen aufstrebenden jüngeren Liebling der Nation auf-nehmen sollte, Beide klug thaten, die Spaltung im Publikum nicht durcheinen Bruch unter sich selbst noch größer zu machen. Er kann sagen, daßSchiller bei Göthe in die Schule gehen wollte, und daß er ihm darumso bereitwillig Weihrauch gestreut habe, und er kann Göthe's Entgegen-kommen eine Frucht des Wohlgefallens nennen, den er an eben diesemOpferdufte gefunden habe. Und alle diese und ähnliche Ansichten kannman mit sehr annehmlichen Erweisen unterstützen, wie es denn z. B>,um nur bei dem letzten Punkte zu bleiben, von Göthe's eigenliebigemHerabschen auf Schiller zu zeugen scheint, daß er, sich selber zu sehrschmeichelnd, glaubte, cs habe dieser iu den ästhetischen Briefen seinefrüheren Ansichten von Kunst und Natur ihm zu Gefallen und vielleichtgegen seine Ueberzeugung bedeutend verändert, da doch dort nur imBrennpunkte gesammelt ist, was zerstreut schon viel frühere Aufsätze er-warten ließen. Wer aber die menschlichen Handlungen so betrachtenwollte, der dürfte reine Menschlichkeit und Tugend höchstens in derdummen Einfalt suchen; er würde an den entwickelten Menschen fordern,daß er, wo das Gute und Nützliche zusammentrifft, um des guten Scheineswillen das Eine opfere; er würde dem Schicksale, wo es solche Fügun-gen bietet, und der Natur, wo sie unsere Neigungen für unsere Tugendenstimmt, diese seltenen und wohlthätigen Fälle noch zu den häufigen undmißfälligen verargen, wo Beides im Kampfe erscheint. So ist es auchleicht, die Erfolge dieser Verbindung sich und Andern zu verkümmern,wie es Göthe selbst in gewissen Stimmungen gethan hat: er fand, daßsie ihre Zwecke gehetzt, durch Ueberthätigkeit ihre Zeit zersplittert und soim Grunde nichts der Kräfte, der Anlagen und Absichten Würdigeserreicht hätten. Nimmt man es streng, so kann man für Göthe den Aus-spruch gelten lassen, für Schiller weit minder, der auch nie im gering-