Philosophie. (Schiller.)
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Dichter tritt ans seinen Grenzen, wenn er sein Ideal in die Wirklichkeitüberträgt, er engt sie ein, wenn er die Wirklichkeit in das Gebiet desIdeals übergreifcn läßt. Wo der ästhetische Schein ist, da ist Geist nndGeschmack, das Ideal regiert da das Leben, Unsterblichkeitsruhm gehtüber die Eristcnz, ein Kranz über das Purpurkleid. Man muß der Weltden falschen Schein verargen, nicht diesen ächten; wir legen lange nichtWerth genug ans diesen, weil wir es noch nicht weit darin gebracht.Wir genießen nicht das Schöne der Natur, ohne es zu begehren, bewun-dern nicht das Schöne der Kunst, ohne nach Zwecken zu fragen, wir ge-stehen der Einbildungskraft noch keine absolute Gesetzgebung zu, undtrennen Dasein und Erscheinung nicht gehörig, und noch hat die Rea-lität und Wirklichkeit nichts von diesem Scheine zu besorgen, eher derSchein von der Wirklichkeit. — Zum Schluffe folgt eine Art Geschichtedes Spieltriebö, die wir der Kürze halber übergehen wollen.
Wie Schiller hier das Größte und Würdigste von der Kunst über-haupt aussagt, indem er ihr den möglichst vollständigen Ansdruck derMenschheit zuschreibt, so konstrnirt er in der Schrift über naive undsentimentale Dichtkunst (1795) den Begriff des vollkommenenDichters, und zeigt, wie dieser mit der Idee vollendeter Menschheit über-einkommt. Dieser Aufsatz ist weit der fruchtbarste und wirksamste unterSchiller's ästhetischen Schriften geworden, weil er mehr Thatsächlichesund Anwendbares enthält, die hervortretenden Dichter der Nation undeinzelne Poesiegattnngen vortrefflich beurtheilt, und dadurch auch deneneinen Anhaltspunkt gibt, die seinen Abstraktionen minder bereitwilligfolgen. Er ist neben Göthe's Leben schon darum die wichtigste Quellefür die Geschichte unserer Dichtung des 18. Jahrhunderts, weil die hi-storische Betrachtungsweise dort und die systematische hier sich durchgängigergänzen. Aber auch in dem allgemeineren Theile, der die naive undsentimentale Dichtung als die zwei einzig möglichen Arten der Acußerungdes poetischen Genius einander entgegenstcllt, wird Schiller darumüberall lebendiger und schärfer, weil er seine Charakteristiken auf wirk-liche Anschauungen gründet, und überdies mit seinem ganzen Wesen undBerufe bei der Arbeit thätig ist. Denn in allen Theilen ist ihm das Bildjener Gegensätze zu einer Parallele zwischen Göthe und ihm selbst gewor-den, die dem Verständigen jede andere ästhetische Vergleichung beiderDichter überflüssig macht. Dabei suchte er sich neben dem von ihm selbstbewunderten Dichter, mit dem er nun schon persönlich befreundet war,eine poetische Stellung von Selbstgefühl und Muth zu behaupten, nnddie moderne Dichtung gegen die antike zu retten, der Göthe Alles allein