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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
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Schiller und Göthe.

zuweisen wollte. Nur aus diesem allgemeinen Theile heben wir hiereinige Züge aus. Schiller geht wieder von jenen Gegensätzen der Naturund Kultur aus, zwischen denen die Bildung der Menschheit wechsele;er sucht in der Sehnsucht der Neueren nach den Gegenständen der Natur,nach der verlorenen Kindheit u. s. s. das Wesen der Sentimentalität,die dem Jugendalter der Welt fremd war. Bei den Griechen war dieKultur nicht so ansgeartet, daß die Natur darüber verlassen wurde; sieempfanden natürlich, wir empfinden das Natürliche. Wie die Natur ausdem Leben als Erfahrung schwand und als Subjekt, so geht sie in derDichterwelt auf als Idee und Gegenstand. Die Nation, die es zugleichin der Unnatur und in der Reflexion darüber am weitesten gebracht,mußteLon dem Naiven am stärksten gerührt werden und ihm den Namengeben, die Franzosen. Die Dichter sind überall schon ihrem Begriffe nachBewahrer der Natur, sie werden entweder Natur sein oder die verlorenesuchen, was sie entweder zu naiven oder sentimentalen Dichtern macht.So lange der Mensch reine Natur ist, wirkt er als ein harmonischesGanze, mit allen Kräften zugleich; was in diesem Zustande den Dichtermacht, ist möglichst vollständige Nachahmung des Wirklichen. Ist derMensch dagegen in den Stand der Kultur getreten, so ist die sinnlicheHarmonie in ihm aufgehoben und kann sich nur als moralische Ein-heit äußern, d. h. als nach Einheit strebend. Die Uebereinstimmungzwischen Empfinden und Denken, die dort wirklich war, eristirt jetzt blosidealisch, als ein Gedanke, nicht mehr als Thatsache. Hier macht denDichter die Erhebung der Wirklichkeit zum Ideal. Weil das Ideal einUnendliches ist, das der Mensch nie erreicht, so kann der Kultivirte inseiner Art nie vollkommen werden, wie doch der natürliche Mensch es inseiner Art vermag; jener steht diesem nach, wenn man Beide im Ver-hältniß zu ihrer Art vergleicht, dieser aber jenem, wenn man ihre Artenselbst vergleicht. Der Eine erhält seinen Werth durch alsolute Erreichungeiner endlichen, der Andere durch Annäherung an eine unendliche Größe.Weil aber nur die letztere Grade und einen Fortschritt hat, so ist der re-lative Werth des Kulturmenschen im Ganzen nie bestimmbar, obgleich erim Einzelnen betrachtet sich im Nachthcil gegen jenen befindet, in dem dieNatur in ihrer ganzen Vollkommenheit wirkt. Insofern aber das letzteZiel der Menschheit nur durch Fortschreitung zu erreichen ist, so gebührtjenem in Rücksicht auf dieses der Vorzug. Dasselbe, was hier die For-men der Menschheit charakterisirt, charakterisirt auch die Dichterformen,und in ähnlichem Verhältnisse des Werthes und Unwerthes steht sichdaher die sinnliche, die Kunst der Begrenzung der Alten, und die geistige,