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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
389
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Philosophie. (Schiller).

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gehabt hat, inwiefern ein ästhetisches Volk durch seine harmonischeBilvung befähigt wird zur Schöpfung eines harmonisch gegliedertenStaatssystems, unter welchen Bedingungen ein zu dieser Kultur gelang-tes Volk selbstgefällig still stehen und beim Herabgehcn in der Kunstsich bequemer fühlen wird, als beim Hinaufstreben in dem Staate,und wie lange es das Mißverhältniß tragen werde zwischen seiner wirk-lichen politischen Stellung und der würdigem, die seiner Bildungsstufeund Kraftfülle entspräche. Wir haben in Deutschland den Uebergangvon Poesie zur Politik, aus dem Phantasiereich in das der Wirklichkeit,aus der anschauenden zur handelnden, von der ästhetischen zur moralischwollenden Natur gemacht; wir haben doch ein Etwas von einem Vater-lands- und Staatssinne erhalten, von dem in Schiller's Zeit noch kaumeine Spur da war, und eine historische Wissenschaft hat sich gebildet, diedamals noch im ersten Keime lag. Wenn der Weg zum Handeln undzum verständigen Benutzen des Lebens durch Empfindung und Einbil-dungskraft hindurchgcht, so haben wir in dem Gebiete der letztem be-wiesen, daß wir wenigstens auf dem Wege find; wenn Blüte Hoffnunggibt zur Frucht, so dürfen wir uns einer Aussicht überlassen: denn wirhaben die Blüte aufgehen sehen und abfallen; auch die Fruchtknospe istda, noch herb und grün zur Zeit. Es kommt daraus an, ob so vielLebenstrieb da ist, daß sie die Sonne nicht ausdorrt, sondern reift, derSturm nicht abweht, sondern kräftigt. Wer ihr jetzt die Triebkraft stärkte,der dürfte hoffen, über dieJahrzehcnte der stillstehenden Nationalentwickc-lung zurück unserm Dichter die Hand zu reichen, und jener redliche Fin-der zu heißen, den sich Schiller gewünscht oder geweissagt hat.

Wir kommen zu dem eigentlichen Gegenstände der ästhetischen Briefezurück und deuten die obersten Sätze mit möglichst Wenigem an. Nachder Betrachtungsweise, die uns aus dem Vorhergehenden schon geläufigist, stellt Schiller einen sinnlichen und einen Formtrieb einander entgegen,deren vollkommene Wechselwirkung die Idee der Menschheit ist, die wirnie erreichen. Wo wir nur empfinden, bleibt uns unsere Person undabsolute Eristcnz, wo wir nur denken, unsere Eristenz in der Zeit undunser Zustand verborgen. Gäbe cs Fälle, wo wir diese doppelte Erfah-rung zugleich machten, uns als Materie und Geist fühlten, so würdenwir in diesen eine vollständige Anschauung unserer Menschheit haben.Sie würden einen neuen Trieb, den Spieltrieb, in uns wecken, dessenGegenstand die lebende Gestalt wäre, wie der Gegenstand des sinnlichenTriebes Leben, des FormtriebeS Gestalt heißt. Jener Begriff derlebenden Gestalt dient der Schönheit zur Bezeichnung. Den Ausdruck