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Schiller und Gvthe.
Entwickelung der Menschheit im Ganzen und im Individuum, wie sieüberhaupt die Bedingung jeder Erkenntniß sind, die wir durch die Sinneerhalten. Unsere individuale Bildung zeigt dies Jedem, der die der Völ-ker nicht historisch kennt: wir machen durch das Ideal den Weg zurWirklichkeit, durch jugendliche Wünsche zum praktischen Wirken, undunsere Nation schlagt im Großen denselben Weg ein. Vergebens ver-suchten die Einzelnen damals, sie in die politische Richtung voreilig zuzwingen, da die ästhetische noch unvollendet war, und vergebens werdenuns unsere Dichterlinge jetzt noch in der vollendeten ästhetischen haltenwollen, da die politische anfängt Ungeschlagen zu werden. Schiller warvon diesem Jneinandergreifen der menschlichen Entwickelungen ganzinnig durchdrungen. Er war weit entfernt davon, die Dichtung, wie hocher sie stellte, aus den Bedingungen des totalen Lebens einer Nation oderdes Individuums ganz herausznheben; sein Dichten war daher in ihmselbst durch andere Epochen getheilt, durch andere Geistesrichtungen in-slnenzirt; seine Dichtungen, unmittelbar auf die reinste Befriedigung derKunstforderung gestellt, verschmähten die weiteren aeeessorischcn Absichtenund Aussichten darum nicht. Der letzte Dichter von unbedingter Größe,gab er dem Vaterlande die Richtung an über sein Leben hinaus, und eswar der innerste Drang seiner Natur, daß er überall auf jene politischenStoffe irr seiner Dichtung fiel, die durchweg das Abbild der Zeit und derLage der Welt waren, sowie es die natürlichste Wirkung war, daß seineDichtungen außer ihren ästhetischen Wirkungen keine gewaltigeren ge-macht haben als die politischen, die seitdem unsere Jugend angefeuerthaben und wohl noch manchesmal erwärmen werden. So erhalten wirhier eine Auslegung zu dem bedeutsamen Wink in den Briefen über DonCarlos, und die nächsten Aufschlüsse über die Matcricnwahl in seinenspäteren und früheren Dramen, von der man gleich wahr sagen kann,daß sie aus freier Willkür und daß sie aus natürlichem Takte geflossenist. Daß Schiller in den Briefen nicht selbst ans sein Problem znrück-gekommcn ist, und daß er die angeregte Idee von den Verhältnissen derästhetischen und politischen Bildung nicht ausgcführt, sondern als einFragment hinterlasscn hat, dies dürfen wir als eine jener Unterbre-chungen ansehen, die in den Umständen bedingt war, und die einenkünftigen, mit der vergangenen und gegenwärtigen Zeit verbrüdertenMann auffordert, den abgebrochenen Faden im günstigen Momente wie-der anzuknüpfen. Ehe wir selber weiter in unserer politischen Bildungvorgerückt sind, werden wir nicht wagen zu entscheiden, warum daSkunstsinnigste Volk der Erde auch die reinsten staatlichen Entwickelungen