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Schiller und Gölhe.
konnte ihnen nicht würdiger antworten, als daß er das Merkchen ent-gegensetzte, das, nachdem die Last der Noth zunächst durch die freigebigeUnterstützung abgeschüttelt war, als das erste edlere Produkt des befreitenMannes erschien, dem er zur Reife Zeit geben konnte. Der Prinz vonAugustenburg stand in dem dänischen Kreise obenan, in den Baggesendie Begeisterung für Schillerst: hineintrug; zugleich gehörte er jenemAdel an, der bei uns, eigenthümlich genug, mehr Wärme für die fran-zösischen Freiheitsideen zeigte, als die mittleren Klassen. „Wenn dieserPrinz uns nicht gewiß ist, schrieb Baggesen an Reinhold, so können allePosas sich mit ihren Planen nach dem Tvllhause begeben." An einensolchen Mann gerichtet, erscheinen die politischen Anfangsbetrachtungenin den ästhetischen Briefen nicht mehr als bloßer willkürlicher Rahmen.Der philosophische Dichter fühlt, daß die Zeit mehr zur Erörterung derFreiheit als der Schönheit auffordert, und der große Proccß, der, inFrankreich anhängig, nach der Vernunft entschieden werden soll, reizteihn wohl auch, hierüber zu korrespondiren. Er widersteht dieser Ver-suchung, und entschuldigt es nicht durch Neigung, sondern durchGrundsätze; er will überzeugen, daß, um jenes politische Problemzu lösen, man den Weg durch das Aesthetische nehmen müsse. Er be-trachtet, um dies z» erweisen, dieNatur von Mensch und Staat zu einan-der, und findet, daß, wo der Mensch den Natur- und Nothstaat mit demmoralischen Staate der Freiheit vertauschen will, er jene Totalität derantiken Völker besitzen müsse, in denen die Uebereinstimmung derdenkenden, empfindenden und handelnden Natur des Menschen entschie-den war, so in ihrer Kunst wie in ihrem Staatsleben, während unserVolkskörper Verwilderung in den unteren, Erschlaffung in den oberenKlassen zeige. Er kann nicht denken, daß der Staat, der dies Nebelveranlaßt hat, es aus sich selber heilen werde: wo die höheren Klas-sen ihre Freiheit nicht gebrauchen, darf man ihnen die Freiheit nichtnehmen, dem großen Haufen, der sie im blinden Triebe mißbraucht, darfman sie nicht geben. Alle politische Verbesserung kann nur von Ver-edelung des Charakters ausgehcn; aber wie soll sich unter einer barbari-schen Verfassung der Charakter veredeln? Man muß zu diesem Zweckeein Werkzeug aufsuchen, das vom Staate unabhängig ist, und Quellendazu eröffnen, die sich bei aller politischen Verderbniß rein und lautererhalten. Dies Werkzeug ist die schöne Kunst. Der Künstler kann sichvon seiner Zeit losreißen und über sie erheben; er soll dem Verstände dieSphäre des Wirklichen überlassen, und aus dem Bunde des Möglichenmit dem Nothwendigen das Ideal erzeugen, und es ausgebildet in die