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Schiller und Gvthc.
Gegensätze, in die Schiller die Würde gegen die Anmut stellt; dortherder Gegensatz, in den er unwillkürlich den sittlichen Rigoristen, den wür-digen Stoiker, bei dem sich der Geist als absoluter Herrscher aufführt,bei dem sich die Sinnlichkeit und Natur in einem Zustande des Zwanges,unter der Gewalt der Freiheit befindet, gegen das Naturprodukt desGenies bringt, das sich der geistigen Freiheit und Macht gänzlich begibt.Nach der verkehrten Denkart der Menscheu, die, was durch kein Verdienstzu erringen ist, gerade am höchsten schätzen, so sagt Schiller von demGenie, wird dieses mehr als erworbene Kraft des Geistes, und die gege-bene Schönheit des Baues mehr als Reiz und Anmut, die Schönheitunter dem Einflüsse der Freiheit, bewundert. Beide Günstlinge der Naturwerden bei all ihren Unarten als ein Geburtsadel betrachtet. Aber wiees der architektonischen Schönheit ergeht, wenn sie nicht zeitig sorgt, sichan der Grazie ein Stütze zu schaffen, so mit dem Genie, wenn es sichdurch Grundsätze, Geschmack und Wissenschaft zu stärken verabsäumt.War seine ganze Ausstattung eine lebhafte und blühende Einbildungs-kraft, so mag es bei Zeiten darauf denken, sich dieses zweideutigen Ge-schenkes durch den einzigen Gebrauch zu versichern, wodurch NaturgabenBesitzungen des Geistes werden können: dadurch, daß es der MaterieForm ertheilt, denn der Geist kann nichts, als was Form ist, sein eigennennen. Durch keine vechältnißmäßige Kraft und Vernunft beherrscht,wird die wild aufgeschossene üppige Naturkraft über die Freiheit des Ver-standes hinauswachsen und sie ebenso ersticken, wie bei der architektoni-schen Schönheit die Masse endlich die Form unterdrückt.
Weit wichtiger und bedeutungsvoller aber, als das bisher Ge-nannte, sind die Briese über die ästhetische Erziehung desMenschen (l.795), eine der seltensten Schriften, die unsere Literaturbesitzt. Dies ist nicht mehr Vorarbeit und Hebung, sondern Resultat undAbschluß. Hier tritt der Schüler über die Lehrer hinweg, er läßt dieAesthctiker der vergangenen Zeiten hinter sich zurück. Er tritt aus denBeziehungen zu einzelnen Männern heraus, er steht auf der Höhe derZeit, er steht sich nicht mehr in der Mitte streitender Tendenzen in einzel-nen Zeitgenossen, sondern in der Mitte der Tendenzen des Jahrhunderts.Wie ihn innerhalb Deutschland der erregte Kampf zwischen Dichtungund Philosophie bewegte und ihn gleichsam zu dem Versuche antrieb,wo er mehr vermöchte und wo er sich heimischer fühlte, so gährte auchdas politische Treiben der Zeit in ihm, und nöthigte ihn, über das Ver-hältniß von Staat und Literatur, von Politik und Dichtung zu denken,um sich in den verworrenen Richtungen der Zeit Eine zu suchen, der er