Philosophie. (Schiller.)
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kraft, daß recht handeln möglich sei. Es ist Verwirrung der Gren-zen, wenn man moralische Zweckmäßigkeit in ästhetischen Dingen for-dert, und, um das Reich der Vernunft zu erweitern, das der Einbil-dungskraft verengt.
In diesen Aufsätzen, die sich sämmtlich an die Betrachtung dertragischen Kunst anlehneu, und von da aus gelegentlich zu allgemeinerenKunstgesetzen sich erheben, spricht überall der Dichter, der sich selbst andieser Gattung versucht hat, und schon wieder zn ihr zurnckzukehrensinnt; wir hören den Aesthetiker, der sich in der Mitte zwischen Kantund Lcssing oder Aristoteles bewegt. In Anmut und Würde (1793)redet schon mehr der ganze moralische Mensch, und einen höchst anziehen-den Anhaltspunkt bilden die Stellen, wo er sich in die richtige Mittezwischen Reeeptivität und Spontaneität, zwischen Sinnlichkeit und Ver-nunft, oder daß wir es gleich anschaulicher machen, zwischen Göthe undKant stellt. Wir haben schon oben die Punkte aus dieser Schrift ange-führt, worin er sich direkt und namentlich gegen Kant erklärt; die andereStelle, worin er mittelbar, und ohne ihn zu nennen, Göthe'n im Augehat, hat dieser selber richtig hcrausgefunden, und hatte in ihr einen An-laß mehr gesehen, sich Schillern nicht zu nähern. Der Aufsatz dreht sichum die Begriffe von der Anmut, dem Ausdruck einer schönen Seele, undder Würde, dem Ausdruck der erhabenen Gesinnung. Wir wollen nichtausführen, wie Schiller von ästhetischer Seite diese Begriffe, namentlichden der Grazie, treffender und tiefer bestimmt als Winckelmann undWieland, bei denen wir uns schon damit beschäftigten; eine gewisseModernität und Sentimentalität bleibt bei seiner Charakteristik derGrazie übrig, die Göthe, wenn er zu dergleichen Betrachtungen geneigtgewesen wäre, noch um einen Grad naiver und sensualer würde gefaßthaben, als Schiller. Dagegen ist uns die Tendenz des ganzen Aufsatzesdesto wichtiger, die überall dahin geht, auf ein Ideal vollkommenerMenschheit hinzuweisen, das die völlige Gleichstellung von Sittlichkeitund Sinnlichkeit verlangt, das keine von beiden auf Kosten der andernbevorzugt, keine zu Gunsten der andern gedrückt duldet. Daher geht daSSchriftchen im Anfang von der schönen Natur der Griechen aus, beidenen Sinnlichkeit nie blos Sinnlichkeit, Vernunft nie blos Vernunftgewesen, bei denen Natur und Sittlichkeit, Materie und Geist, Erde undHimmel wunderbar ineinandergcflossen sei. Daher geht es am Schluffewieder auf das Bild vollendeter Menschheit zurück, in welcher Anmutund Würde, jene durch architektonische Schönheit (des Baues), diesedurch Kraft unterstützt, vereinigt sind. Dorther fließen die beredten