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Schiller und Göthe.
Schriften waren ihm daher bis zur Erscheinung der ästhetischen Urtheils-kraft, die anch Göthe nicht übergehen kannte, fremd geblieben. Nachdem fehlgeschlagenen Don Carlos hatte Schiller in mannichsachen Zer-streuungen gelebt. Ein neues häusliches Leben beglückte ihn, wie Göthe'nseine Vermählung mit der Kunst in Italien; ein neuer Beruf wies ihnans die Geschichte, in der ihn die politischen Begebenheiten noch mehrfesthalten mochten; die Wärme für Philosophie ergriff auch ihn, undwir haben jene ersten Fragmente schon erwähnt, die er zwar ohne Kantselbst gelesen zu haben, nicht aber außerhalb der Einwirkungen vondessen in die Nation gebrachten Neuerungen hingeworfen hatte. Be-kanntlich zog sich die neue Philosophie nach Jena wie an einen Haupt-stapelort mit Macht hin; bedurfte es für Schillern persönliche Ver-mittelung, so war Reinhold hier, der sie ihm entgegenbrachte. 179k laser die Kritik der Urtheilskrast, und sie entzündete in ihm den Eifer, dieseMaterie unter seinen Händen zu etwas zu formen. Sein Geist, derimmer seiner Selbftthätigkcit froh war und nichts Unreifes ertragenkonnte, arbeitete sich in diesen Stoff ein, bis er ihn gebändigt hatte.Befriedigt also hatte ihn daS kantische Werk so wenig, als mächtig esihn ergriffen hatte; und so sagte ihm auch der Gesammteindruck vonKant'S Lehre und Wesen halb zu, halb wies er ihn zurück. Ihn be-leidigte jene Strenge des Geistes, die sich so wenig mit der Sinnlichkeitvertragen wollte; er war ein entschiedener Feind aller Spekulation, diedie Sinnlichkeit auch nur scheinbar in einem nothwendigen Widerspruchmit der Vernunft sieht. Was auch Kant für die Verbindung und Har-monie von Realität und Form, von Sinnlichkeit und Vernunft in demvollkommenen Menschen ganz nach Schiller's Sinn sprach, so bewirktedoch der in Beiden verschiedene Grad des unvermeidlichen Uebergewichtsnach Einer Seite, daß Kant bei gleichlautenden Gruudansichten einen soanziehend-abstoßenden Eindruck auf Schiller'n machte, wie dieser wiederganz in demselben Verhältnisse auf Göthe'n, der noch entschiedener aufder Seite des Sensualismus stand. Die starre Grundsätzlichkeit in allenTheilen der kantischen Lehre schreckte die Männer der Welt und desLebens überallhin ab. So lachte Förster des Phantoms der allgemeinenVernunft, deren Etablirung allgemeine Ertödtung aller Geisteskräftezur Folge haben würde; die einen anderweitigen Gebrauch des Ver-standes nicht gestatten wollte, „gerade als ob sich für die transrendenteVerschiedenheit der Menschen, in Absicht auf die Intensität und Pro-portion ihrer Kräfte, und für die Wirkung der koeristirenden Dinge ausjedes Individuum, von einem Geiste, der nicht alle möglichen