Philosophie. (Schiller.)
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Künste, wenn sie nicht mit moralischen Ideen in Verbindung gebrachtwürden, als bloße Zerstreuungsmittel ansah, der zuletzt das Schöne dasSymbol des Sittlich-Guten, die schönen Künste die Verstnnlichung sitt-licher Ideen nannte, dem wahre Propädeutik zur Gründung des Ge-schmacks die Entwickelung und Kultur des moralischen Gefühls zu seinschien, da der Geschmack gleichsam den Uebergang vom Sinnenreiz zumhabituellen moralischen Interesse mache. Diese Sätze waren es haupt-sächlich, die Schiller'n reizten. Das Zwiespältige und Unklare darinbestimmte ihn, das Verhältnis! des Sinnlichen und Moralischen aus-einanderzusetzen ; die anziehenden Erörterungen über das Erhabene, eineder schönen Stellen in Kant's Schriften, wo der spekulative Stamm sichmit dem anmuthigen Grün des Tatsächlichen bekleidet, fesselten ihnnicht minder. Die Winke, die Kant über die glückliche Vereinigung derhöhern Kultur und ihres gesetzlichen Zwanges mit der Kraft der freienNatur in den Griechen fallen ließ, ein hingeworfenes Wort, daß dieKunst, gegen das Handwerk gehalten, wie ein Spiel betrachtet werde,Alles regte einen Sturm von Ideen in Schiller'n auf, dem dieses Gebietbekannter war, und der sich nun nach allen Seiten hin aus Drang undinnerm Bedürfniß völlig zu orientiren strebte. So kam es, daß ec zuletztsich zu leisten getraute, woran Kant verzweifelte: dieser hatte sich zurAufgabe gestellt, das subjektive Princip des Geschmacks, als ein apriori-sches Prineip der Urtheilskraft, zu entwickeln und zu rechtfertigen, erhatte ein objektives geleugnet und dies wollte Schiller in den Briefenüber die ästhetische Erziehung des Menschen ausstellen und ihn so that-sächlich widerlegen.
Schiller wählte in seinen ästhetischen Aufsätzen weder die rein ab-strakte Methode der Deduktion aus Begriffen wie Kant, noch die histo-rische, mit der Herder der Genesis unserer Begriffe von Schönheit undKunst nachzugehen strebte, sondern einen'gewissen mittleren Weg, derJedem, der auf einer jener beiden Seiten ganz steht, leicht etwas zuwünschen übrig läßt, und etwas zuzusetzen und zu modifieiren gestattet.Er lehnt sich aus kantische Ideen, aber ganz ohne allen Schulzwang; erhätte überhaupt nur durch den praktischen Theil Eingang zu Kant'sLehre finden können, und nur durch den, in dem er selber Erfahrungengemacht hatte. Der Buchstabe des Systems war ihm nicht viel näher alsselbst Göthe'n; die reine Spekulation, die die Form von allem Inhaltund aller Materie loszulösen strebt, lag seinem bildenden Geiste ganzfern, dem die Materie und die Sinnenwelt kein Hcmmniß war, sondernder unentbehrliche Stoff, in den sich sein Formsinn eingrub. Kant's