Philosophie. (Schiller.)
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Zunftherrschast gründen wollen, die wie die religiöse Orthodoxie undder politische Despotismus in einen gewissen Kreis bannt, in dem dievom System in Anspruch genommenen Kräfte des Menschen ein ge-schafftes Geschäft betreiben, die übrigen aber in Unthätigkeit feiern.Denn wie bald ist auch die Grenze der praktischen Anwendungen derTheorie erreicht! und wie sehr hat hier Kant selbst verrathen, daß esschon bei dieser Thätigkeit nicht leicht ist, sich selber treu zu bleiben!Von dieser anderen Seite war daher der Schrei gegen die Geschäftigkeit, seiner Schüler noch viel größer, die so viel an dem Systeme ihres Mei-sters zu - und abzuthun hatten. Von beiden Seiten suchte Herder, einstein Lobredner seines einstigen Lehrers, in der Metakritik (1799) und inder Kalligone (1800) vor dem Trüben der abgeleiteten Wasser zu war-nen, indem er die Lauterkeit der Quelle selbst verdächtigte, oft mit demunschicklichen Mittel, daß er sie geflissentlich selber trübte. Aber diesgeschah in einer Zeit, wo die kantische Lehre, die mehr anzuregen alsabzuschließen geschaffen war, die mehr Wissenschaftslehre als Wissen-schaft sein wollte, gerade dadurch am wirksamsten ward, daß sie in an-dere Systeme sich theilte, die selbständige Denker, von ihr angeleitet,aus eigenthümlichen Wegen gefunden hatten. Herder, und die ihm an-hingeu, stimmten in ihrer Polemik zu frühe Triumphe an.
Von welchem Nachtheile die Ausbreitung der philosophischen Stu-dien für unsere Poesie nur eben dadurch war, daß die Kräfte getheilt,daß tiefere Naturen auf dies neue Gebiet gezogen wurden, die bei derFortdauer des ungetheilten Kunstinteresses vielleicht der Dichtung ge-wonnen worden wären, daß dieser dagegen fast nur die Genien des erstenRanges und die mittelmäßigen Talente des dritten treu blieben, dieskönnen wir freilich nicht an einzelnen Fällen ausmessen und darlegen.Nur das Eine Beispiel verfolgen wir, um die Beeinträchtigung derDich-1 tung zu veranschaulichen, desto gründlicher: wie durch Kant sich nebender poetischen Kunst die poetische Wissenschaft, die Aesthetik, aufstellte,wie diese Wissenschaft erst Schiller':: aus der poetischen Thätigkeit riß,
, wie sie dann, zur Kunstkritik und Literaturgeschichte gesellt, in dem Kreis
I der Romantiker überall diesen Grenzwissenschaften der Dichtung anfing
über die künstlerische Produktion ein Uebergewicht zu geben. Als Kantseine Kritik der ästhetischen Urtheilskraft (1790) schrieb, verfuhr er hiermit demselben Purismus, mit dem er sich stets dagegen erklärte, daßman die Grenzen verschiedener Wissenschaften ineinanderlaufen lasse.Er beseitigte mit ihr die alte Methode der Kunstkritik und die Schule Les-sing's; solche Werke wie Eberhard's Theorie der schönen Wissenschaften
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