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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
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Schiller und Göthe.

dem deutschen Leben neue Richtungen gab, die das Gesetz des morali-schen Gleichgewichts nöthig machte. Wenn seine oft wiederholte Ver-gleichung mit Sokrates einen Sinn haben soll, so muß sie von diesemPunkte ausgehen. Und von hier aus erklärt es sich, ganz abgesehen vonKant's Beschäftigung mit der Aesthetik, warum gerade Schiller so vieleVorliebe für die neue Philosophie faßte, der ganz denselben Gegensatzdes Geistes gegen die gölhische Naturtheorie innerhalb der Dichtungselbst schon vor seiner Bekanntschaft mit Kant gebildet hatte. Dasselbedunkle Gefühl, das Göthe'n gegen Schiller stimmte, hieß ihm auchKant den Rücken kehren.

Es ist bekannt, von wie außerordentlichen Wirkungen Kant's Auf-treten begleitet war. Innerhalb der Schule weckte seine Philosophieden Tiefsinn ähnlicher Köpfe auf und brachte die spekulativen Wissen-schaften zu einer Blüte, die seither kaum aussetzte, die am glänzendstenwar, als alle übrige Welt sich von den großen politischen Zeitereignissenfesseln ließ, und die es bewies, wie gern die deutsche Natur von denBewegungen der handelnden Welt eine ideelle Zufluchtstätte sucht. DiePhilosophie des alten Schlags war mit Einem Male abgethan, soganz wie die alte Poesie mit Göthe's Jugendschriften. Auch sind diesedurch keine größere Sprungweite von den noch gleichzeitigen Galante-rien Jacobi's unterschieden, als die Kritik der reinen Vernunft von dergleichzeitigen Sittenlehre der Vernunft von Eberhard oder Campe'sBeweis der Unsterblichkeit der Seele. Die ersten schwachen Gegner, dieMeiners und Abel, die Ulrichs und Eberhard verschwanden vor der rei-nen Begeisterung unter Kant's Schülern, jener Wärme, die sich auf dieJünger aller Philosophie, auch anderer Schulen, bis in dieses Jahrhun-dert fortpflanzte. Mit den Erschütterungen in der Schule maßen sich dieanderen und ganz verschiedenen, welche der praktische Theil der neuenLehre in der Sphäre des gebildeten Publikums machte; die Oppositiongegen beide Seiten mehrte den Antheil und die Bewegung. Von jenerSeite her ärgerte man sich an dem Dogmatismus der Schule, an derphilosophischen Rechtgläubigkeit und Unduldsamkeit, die keine Neutra-lität gestattete; eben so sehr mit Unrecht, wenn man dem willkürver-achtenden System zumuthete, sich mit dem getheilten Beifall der Eklek-tiker zu vertragen, als mit Recht, wenn man sich an jenen, von Kantselbst verachteten Eigendünkel, jenefrühkluge Geschwätzigkeit" derSchüler stieß, die ihre Philosophie bewiesen glaubten, weil sie sie be-griffen hatten. Es ist das traurige Erbtheil aller Schulen, daß sich inihnen der forschende Geist sogleich nieder- und sestsetzt, daß sie eine