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Schiller und Göthe.
damaligen deutschen Bildung außerordentliche Nahrung finden. EineWelt, die von großen Naturfvrschungen in Erstaunen gesetzt ward, de-ren Neigungen und Leidenschaften durch die herrschende Empfindsamkeitalle aus die Verhältnisse von Menschen zu Menschen gespannt wurden,deren sinnliche Kräfte durch ein erfrischtes Naturleben geweckt waren,die ganz in den Anschauungen einer neu geborenen Kunst lebte, einesolche Welt konnte nicht Sinn haben für dürre Abstraktionen und strenggesonderte Wissenschaft, bis man sich in jener Richtung übersteigert undso einen Uebertritt in ein entgegengesetztes Ertrem vorbereitet hatte.Während in Deutschland diese heftigen Erschütterungen der Gcmüths-welt von Poesie und Kunst, von menschenfreundlicher Gutmüthigkeitund Lebensweisheit ausgingen, hatte sich Kant ganz im Stillen in Kö-nigsberg gebildet, wo Friedrich II. um die Zeit seines Regierungsan-tritts noch nichts von schöner Wissenschaft entdeckte, als Quandts geist-liche Beredsamkeit, wo er die Materie so sehr vor dem Geiste herrschen fand,daß er nie erwartete, einen Strahl höherer Bildung dorthin dringen zusehen. Kant war von Allem, was eine Entwickelung der Sinne und der ^Einbildungskraft begünstigte, ganz entfernt geblieben. Zwischen derfrühe im Jahrhundert abgestorbenen wölfischen Philosophie und seinereigenen spät ans Licht getretenen hielt er gleichsam im Verborgenen einBand geknüpft; von den Aufregungen der Dichtungsperiode blieb erganz unberührt. Daß er dies über sich vermochte, zeigt den wahrenPreußen, den ächten Sohn des Nordens, der in der Regel an den fei-neren Gemüthsregungen des Süddeutschen nur entfernteren oder nurerzwungenen Antheil hat. Wer es will, kann Kant überall als ein Gliedin jener Kette der preußischen Aufklärer sehen, die den heftigen Gegen-satz der Poeten und Enthusiasten und Aller, die an die Kräfte des Ge-müths glaubten, hervorriefen. Die Hamann, Wieland, Göthe, Herder,Klinger waren daher alle von ihm abgeneigt, und der philosophischeVertreter dieser Klasse, Jacobi, war der natürlichste Gegner von Kant.Früh gesättigt an dem Pietismus, der in seiner Vaterstadt und an der ^Universität herrschte, hat sich Kant überall im Gegensätze gegen densel-ben entwickelt: die verständige Richtung gegen allen Geisterglauben undgegen die Kraft des Gebets, seine nüchterne Ansicht von aller Kunstund namentlich von der Musik, der ganze kritische Charakter seiner Phi-losophie, seine Abneigung gegen den geistlichen Stand, seine äußerengeselligen Gaben und praktischen Lebensansichten zeigen ihn überall aufder Seite seiner berliner Landsleute, mit denen er auch die Anfechtungenwegen seines religiösen Freisinns zu theilen hatte; nur daß Er seine