Philosophie. (Schiller.)
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den Augenpunkt zu bezeichnen, aus dem man, auf dem Wege der Dich-tungSgeschichte begriffen, den königsberger Philosophen betrachten würde;und wir versuchen dabei uns lieber nach jenen Gesichtspunkten zu ver-ständigen, die uns bisher schon geläufig wurden, als daß wir unsereLeser plötzlich in eine fremde Terminologie hineinzwäugen. Wir erin-nern daher, um Kant's allgemeine Verhältnisse zu den Bildungen undCharakteren der Zeit anzugeben, an jenes von Lessing begriffene Be-streben der Zeit, in alle geistige Thätigkeiten, in die Gattungen derDichtung, in die Grenzorte der Kunst und Wissenschaft, in die Grund-sätze der Religion und des Lebens eine reine Scheidung zu bringen.Auf diesem Wege haben wir die Poesie zu reinen Gattungen gelangen,wir haben sie von lehrhaften Zwecken sich lossagen sehen. Wir habengefunden, wie die Religion von dem Verbände mit der Dichtung freige-macht ward; wie sich das Lehramt der Schule von dem der Kirchetrennte; wie der Pädagog selbst wieder reinere Wissenschaft zur Basisseines Berufes suchte, wie sich die Geschichte ans dem Zwange derTheologie löste. Ganz in einen solchen Zustand der Reinheit trat nunauch die Philosophie durch Kaut zurück. Welcherlei Philosophie vorihm in Deutschland herrschte, lag uns im Verlaufe unserer poetischenGeschichte vielfach nahe zu beobachten. Was von Leibnitz übrig geblie-ben war, eigentliche Spekulation und alles Spiritualistische trat seit derZeit, daß mau sich an Wolf's abgenutztem System und an der Herrn-huterei gesättigt hatte, völlig in den Hintergrund. Die englische Philo-sophie, die sich ans dem Lockischen Empirismus aufgebaut hatte, griff inDeutschland eben so mächtig um sich, wie alle englische Poeten undTheologen des l8 Jahrhs. für die deutsche Bildung von den größtenAnregung waren. Als Mendelssohn und Garve auf der Höhe der deut-schen Philosophie standen, und Wieland den großen Bund zwischenWeltweisheit und Dichtung schloß, spiegelte man sich selbstgefällig indieser Philosophie des Menschenverstandes, die nicht in der Metaphysikihren eigentlichen Zielpunkt sah, sondern in der gesunden Beobachtungder menschlichen Verhältnisse, nicht in strenger Spekulation ihre Me-thode suchte, sondern in gemeinverständlichen Erörterungen, die nichtszu denken übrig ließen, nicht in der Folgerichtigkeit des Systems ihrenWerth fand, sondern in ansprechenden, eklektischen Wahrheiten, nichtden gesunden Menschenverstand und LebenSakt des Weltmannes und dieeigentliche Philosophie wie praktische Rechnung und wissenschaftlichenProbekalkul auseiuauderzuhalten, svnvcrn in eins zu vermengen strebte.Eine Philosophie dieser Art mußte bei dem allgemeinen Zustande der
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