Geschichte und Politik. (Göthe.)
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und änderte den Ton, wie es der Ucberliefernng nicht gemäß ist. Sehrrichtig bemerkt Göthe in den Ausgewanderten, die gleichfalls indas Jahr 1793 fallen, daß ein großes Unglück in der Welt gewöhnlichvon lächerlichen oft auf der Stelle, gewiß aber hinterdrein belachten Um-ständen begleitet sei. Das Ueble aber ist, daß Göthe, wo er dieser Er-fahrung den Stoff zu eurem Gedichte abgewiuueu will, überall dasUnglück selbst und nicht blos die begleitenden Umstände in den Kreis desLächerlichen hereinzieht; und dies merkt man überall aus der Behand-lung dieser damaligen Produkte heraus, die mehr bitter und versteckt,als heiter und offen ist. Mit der Zeit indessen, als der erste bittere Ein-druck sich etwas versüßte, trat eine andere Stimmung in Göthe ein, undmit ihr eine veränderte Gattung von Werken. Er resignirte; und seineResignation hatte zwei Seiten wie jede. Wer die Wirkungen solcherallgemein schreckenden Begebenheiten auf die Menschen kennt, der wirdoft finden, daß sich leicht engere Kreise zusammendrängen, wo dann baldLeichtsinn und Lebensgenuß obsiegt, bald tiefere Betrachtung der sittlichenNatur des Mensche» veredelnd hervortritt und ernster und in sich gekehrtermacht. Des Thurydideö und Villani Schilderungen solcher Zeiten nichtallein, sondern ihre Werke selbst, dann Boerareio und das letzte Schrift-chen Maechiavelli's sind Produkte, die solchen Zeiten und diesen gecheck-ten Stimmungen angehören. Auch Göthe bietet uns für beide Seiteneinen Zuwachs. Die Ausgewanderten erinnern viel an das DekaMeron,und auch Einzelnes im Meister scheint uns hierher zu gehören. In denNovellen der Ausgewanderten finden wir neben manchen reizvollenSchilderungen schon hereinspielend den Hang zum Ahnungsvollen undRäthselhaften, der weiterhin in Göthe zu überwiegen anfiug, und esbegegnen Charaktere, die in ihrer ganzen Anlage schon an die natür-liche Tochter erinnern. Auch dieses Stück, zwar weit später (um1799) entworfen und (1894) erschienen, gehört noch in den Kreis derauf die Revolution bezüglichen Werke. Die Müdigkeit statt der früheren
Doch das Schlimmste find' ich den Dünkel des irrigen Wahnes,Der die Menschen ergreift, es könne Jeder im TaumelSeines heftige» WollenS die Welt beherrschen und richten.Hielte doch Jeder sein Weib und seine Kinder in Ordnung,Wüßte sein trotzig Gesinde zu bändigen, könnte sich stille,
Wenn die Thoren verschwenden, im mäßigen Leben erfreue».Aber wie sollte dis Welt sich verbessern? Es läßt sich ein JederAlles zu, und will mit Gewalt die Andern bezwingen»
Und so sinken wir tiefer und immer tiefer ins Arge.