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Schiller und Göthe.
und strebt, hat Göthe selbst gesagt, nur der ist Werth zu sprechen und zudichten! Er hat cs selbst gesagt, daß, wer die Revolution erlebt habe,sich in die Geschichte Hineingetrieben fühlte und das Vergangene imGegenwärtigen mit frischem Blicke sah ; und daher habe man jetzt größereWeltcharaktere und bedeutendere Ereignisse auf die Bühne gebracht. Erkonnte das nur Schillerst: nachsagen, nicht sich selbst. Aber wenn unsauch hier die Einsicht in die Lage der Nation und der Verlauf der göthi-schen Bildung zu der Mäßigung stimmen sollte, daß wir es nur bedauern,daß wir es nicht tadeln und schmähen wollen, wenn der größte Dichterunseres Volkes an die höchsten Gattungen aller Dichtung nur gestreifthat; wenn wir uns znfriedenstellen, daß, der Virgil werden konnte, nurOvid ward; daß er die Gaukler in Venedig besang und die Könige derErde nicht besingen wollte, „weil er ihr Handwerk nicht begriff:" somüssen wir uns doch eben dann desto mehr verwundern und erstaunen,daß der Mann, der die ernste historische Dichtung so znrückstellte, diekomisch-politische damals so eifrig ergriff, daß Er, der dem Dichter inden parteienden Bewegungen des öffentlichen Lebens die Stelle derUnparteilichkeit und Vermittlung zutheilte, und, wenn diese unmöglichsei, ihm ein tragisches Ende prophezeite, daß Er gerade so blind parteiischzufuhr, daß Er den Genius auf das Spiel setzte, das ihm immer somißlich schien, und eben in dem Momente, da es am mißlichsten stand.Bei diesem Entschlüsse verlor er sich selbst und jede seiner alten Besonnen-heiten. Er hatte in seiner ersten Periode die Dinge, die ihn quälten,unmittelbar nach ihrem Verlaufe durch eine dichterische Komposition ab-geschüttelt; in der zweiten verrichtete er diese Operation aus größererEntfernung mit einem weitern Inhalte; in dieser dritten wagte er diesGeschäft mitten in den Dingen befangen, die er nicht übersah, die ernicht selbst erlebte, zu denen er kein inneres Verhältniß hatte, und es istdaher kein Wunder, daß die Produkte dieser Zeit in sich ohne alles Vcr-hältniß und Maß daliegen, und zur Nation in keinerlei Verhältniß ge-kommen sind. Zuerst, bemerkten wir schon oben, reizte ihn die Geschichtedes Halsbandes. Er verfolgte den Prozeß mit Aufmerksamkeit, er schafftesich in Sieilien Nachrichten von Cagliostro und seiner Familie, und ver-wandelte zuletzt nach altgewohnter Weise, um jede Betrachtung los zuwerden, das Ereigniß in eine poetischc'Komposition. So entstand seinGroßkophta (1792). In einer höhern Region treffen wir auf dasNämliche, was uns schon bei den Mitschuldigen empören konnte. Eingemeiner Stoff sollte erst in eine Oper gebracht werden, dann ward esein Lustspiel, das mit Aufwand geschrieben ist, von dem es uns nicht