Geschichte und Politik. (Göthe.)
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hat: daß wer eine Anlage habe, klug zu werden, es nächst dem Leben inder Geschichte werden möge. Was Göthe'n von Anfang an mit derGeschichte hätte vertraut machen können, wäre eine kühne, künstlerischbildende Konstruktion ihres Gebäudes gewesen, das der Phantasie cr-faßlich gewesen wäre. Ein historischer Buffon, der ihm die moralischeWelt zurechtgelegt, ein Epos der Geschichte, ein großbs Drama desWeltgeschicks entworfen hätte, hätte ihn für das Ganze der Menschheitmehr interessiren, hätte ihm die Größe des handelnden Menschen näherrücken können, als es nun geschehen ist, und dieses Interesse hätte ihnunstreitig für höhere Gattungen der Poesie gestimmt, hätte seine großenGaben auf größere Stoffe gelenkt, wo er ein ihrer ganz Würdiges leich-ter hätte zu schaffen gehabt. So aber vertheilte er sich auf die Natur-kunde, welche die allgemeine Thätigkeit in Europa mitriß, ehe die poli-tische Welt aus ihrem Schlafe erwachte; er gab sich ganz der Kunst hin,und wollte, das Leben im Gedichte vorwegnehmend, von der andrängen-den Wirklichkeit nicht gestört sein. In seinem innersten Wesen entgingihm das, was Forster'n zu jedem Opfer gestimmt hätte: die Theilnahmean der Menschheit und ihrem Geschicke, ohne die kein historisches oderpolitisches Talent bestehen kann. Ihn interessirte nur der Mensch, dieMenschen ließ er gewähren; er dachte von den Massen geringschätzig,verschieden von Herder und Schlosser, die wahrer und treffender in demGanzen der Menschheit ihre Würde suchten. Das beleidigte Niebuhrund seine künstlerischen Freunde so in Göthe's Reisebriefen, daß er Ita-lien so ohne Liebe gesehen und sein Herz verhärtet hatte; sie übersahenim Eifer die große Wärme, die ihn innerlich der Kunst und Antike gegen-über durchdrang, und vergaßen die großen Dichtungen, die er dort voll-endete; sie gedachten nur, wie er an der Menschheit kalt vorüberging,und wie er dort seinen Großkophtha vorbereitete, und Anderes, „wasdie große und heilige Natur in ihm verhüllt zeigt." Wirklich liegen dieSpuren in jener Reise nur gar zu deutlich, wie verächtlich er die Men-schen schon ansah, als er den italienischen Boden betrat. Aus diesemSinne hatte er damals schon die aristophanischen Vögel behandelt; dieseBezeichnung für die Menge kommt ihm gar nicht aus dem Munde. Werdie Vögel belügt und verschlechtert, das sei, sagte er schon bei Gelegen-heit in Oberitalien, ihr Mann; und gewiß war das Leben unter derentarteten italienischen Nation nicht geeignet, ihn von seiner Menschen-verachtung zu heilen. Ihre alte Größe und Herrlichkeit wollte er nichtkennen, die energischen Charaktere des alten Rom waren ihm unheimlich,vor dem Römerpatriotismus kreuzigte er sich, selbst die Geschichte von