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Schiller und Gvthc.
Nation die Befreiung aller Völker ankündigte und eine einzige verbrü-derte Demokratie predigte, da schien ihm doch der Glaube an die Ver-wirklichung dieser Aussichten selber abenteuerlich, da schien ihm diesProjekt, das er selbst vor nicht lange begünstigt hatte, eine tolle Chimäre,da gab er in seinen Betrachtungen über die Lage des Vaterlandes (1793)seine Stimme für ein viäeanl eonsules, da vertheidigte er das König-thum, an dem ihm vor nicht lange so viel nicht gelegen schien, da durch-schaute er die Täuschungen der republikanischen Dogmatiker, die sichimmer ein Volk imaginirten, wie es nicht ist, und er sah nun die Zeit,die für die robespierre'sche Verfassung reif sein werde, in dunkler Zukunftentfernt liegen. Nun muß er auch nach den traurigen Erfahrungen derZeiten beseufzen, was er kurz vorher gepriesen hatte, daß wir keinenNationalgeist, keinen Gemeingeist besaßen! er muß es beklagen, daß csundenkbar sei, dies Nichtvolk solle sich einmüthig erheben, um eine un-haltbare Verfassung zu vertreten und die hohen Vorrechte der römisch-katholischen Ritterschaft aufrecht zu halten. So trat er auf seinen reali-stischen Standpunkt nüchtern zürück, da sich seine eigenen Ideale in dieWirklichkeit drängten; er gab sein Weltbürgerthum auf, als die Fran-zosen dessen Fahne aufsteckten. Wen wundern hiernach noch die Verän-derungen, die mit unseren Poeten vorgingen, die nie eine Ahnung vonden Dingen der Welt hatten? Der sreiheitssinnige Gleim stand unterden Verzagten voran; er sah sich unter allen seinen Freunden, besondersdem Kreise Ebert's, wie unter einer Schaar von Demokraten verrathenund verkauft. Er schrieb auf einen allerhöchsten Wink Marschlieder fürdie preußischen Armeen, aber sie wollten keinen Enthusiasmus bringen;er schrieb an den Herzog von Braunschweig, als er das Kommando nie-derlegte, anonyme Vorwürfe, aber sie konnten die elende Politik nichtändern^); er schrieb und verschenkte seine Zcitgedichte, in denen er Zornund Kummer ausließ, aber Niemand wollte sie lesen. Sein Unmuthquoll ganz aus der spießbürgerlichen Gesinnung eines Deutschen, der nurfür Privatleben und häusliche Existenz Sympathie hat; sein Ideal reichtenicht weiter, als daß wir unter dem Schutze der Gesetze hübsch still undruhig bei unseren Musen und unseren Weibern leben sollten, und da ihm
81) Der Herzog schrieb ibm anonym wieder: „Nicht Trägheit, nicht Mangel anTheilnahme an das über die Menschheit verhängte Unglück, sondern erkannte Unmöglich-keit, unter nnznsammenhängenden politischen Umstände» zu wirken, und Friedrich'SNachfolgers Aeußerungen, nicht wirken zu sollen, gebieten dem Guelfe», Zuschauerder Schande Deutschlands und des Triumphs des Verbrechens zu sein."