Geschichte und Politik. (Göthe.)
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Deutschland mit einer Reihe vortrefflicher Regenten gesegnet, ans die inmerkwürdiger Verbreitung der Geist Friedrichs und Joseph's wirkte. InBaiern, in Würtemberg, in Baden, in Hessen, in Weimar, Mainz,überall bot man das Gute von oben herab und wirkte in dem Sinne derAufklärung und Toleranz, der das ganze Volk ergriffen hatte; die An-sprüche der Menschheit waren bis an die Throne gedrungen; freiwilligentäußerte man sich hier mancher Privilegien und jener absondernden,den Unterthan herabwürdigenden Majestät. Die Leibeigenschaft ver-schwand, die Hierarchie ward gebrochen, Freiheit des Glaubens und Ge-wissens wurde in Ländern eingeführt, die sie nicht einmal begehrten, undin den obersten Reichsgerichten schien ein Schutz des Eigenthums undder Person garantirt, der uns vor den Gefahren einer Revolution sicherstellen konnte. Und diese staatlichen Zustände waren noch nicht einmaldas Wesentliche, was uns einer thätigen Theilnahme an jenen politischenStürmen ganz entfremdete: das geistige Leben, eben in eine kaum denk-bare Blüte gekommen, überstrahlte den Ruhm des handelnden Lebensweit; wir waren ganz in die Werke des Parnasses begraben, um denWerken eines andern Berges noch eine Achtsamkeit schenken zu können;dazu schien die neu erwachte Philosophie eine moralische Gährung inDeutschland hervorzubringen, die der politischen im Nachbarland dieWage halten könnte. So fing man bald an, statt die heimischen Ver-hältnisse wirksam zu untersuchen, die Rechte zu prüfen, die die bösenNachbarn zu ihrer politischen Umwälzung gehabt hätten, und zu bewei-sen, daß sie ihnen ganz entgingen. Zu Hause bewies Deutschland seinenFürsten Treue und Rechtssinn, wie vielfach ihm von der Gegenseite Miß-trauen und Argwohn gezeigt ward. Ich hoffe, sagte Klinger, Dentsch-> lands Fürsten werden es erkennen, daß, wenn die Weltgeschichte kein
1 Ereigniß ausgezeichnet hat, das der französischen Revolution gleicht, sie
auch kein Volk kennt, das bei solchem Unglück, in solcher Noch und sol-chen Versuchungen, es so mit Recht und Pflicht und seinen Fürsten ge-I halten hat! Das hoffte der so schwarzsichtige Mann? so gutmüthig istin diesem Volke selbst der Schwarzsichtigste!
Als sich in Frankreich die Begebenheiten zum Schlimmen wandten,vergifteten sie auch die Stimmungen in Deutschland. Nun schieden sichdie Parteien schroffer, -und die Gemäßigten erregten Mißtrauen bei denUeberspannteren nach beiden Seiten. Das gesellige Leben ward zerrissen,Verhältnisse unter Freunden und Familien zerstört. Die Stimme derGegner der Revolution ward nun eben so vorlaut, als es anfangs einenAugenblick die der Bewunderer war. Ein Girtanncr, der, wie Förster