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Schiller und Gvthe.
bedeute? ob bejahrter Geduld müden Kummer, oder nahe Verwandlungund Sturm? Ihn lockte der Geist der Freiheit, durch den die Völker sicherfrechen, zu sehen, was sie sind; nur Ein Schmerz war ihm dabei linde-rungslos, daß es nicht das Vaterland war, das der Freiheit Gipfelerstieg und den Völkern Beifall gab. Kaum tröstet ihn die andere Palme,die damals Deutschland erstrebte, als es die Religion reinigte: dennwenn Deutschland der beschorenen Despoten Joch nicht gebrochen, sobrach auch jetzt das der gekrönten nicht. Als man Krieg gegen Frankreichbeabsichtigte, fragt er: ob man das selbsterrettete Volk wieder Wildendienstbar machen wolle? durch Mord erweisen, daß der Richter der Weltden Menschen keine Rechte gegeben? und er mahnt, man möchte derKlugheit warnende Stimme verstehen: es glimme schon auch in anderenLanden die Asche. Wirklich schien es, als ob die Begriffe auch in Deutsch-land die Leidenschaften in Flammen setzen wollten; die neuen Lehrenverbreiteten sich im Volke, die blendenden Wahrheiten von dem Rechteder Menschen und den Pflichten der Regenten kamen in Umlauf; manverglich die Zustände zu Hause, die ähnliche Verfassung, aus das alteFeudalgesetz gegründet, den Mangel an persönlicher Freiheit; das Ver-fahren, die alten Lasten abzuwerfen, lag vor, das Beispiel war lockend,den alten Zauber von Regentenmacht, Hof, Adel und Militair zu bre-chen, und den neuen Ruhm der Freiheit und Gleichheit an die Stelle zurücken. War man nicht durch das ganze Jahrhundert an fast allen HöfenEuropas mit humanistischen Reformen der Volksthätigkeit gleichsam auf-fordernd entgegengekommen? und mitten in Deutschland hatte Joseph indiesem Sinne gehandelt! Das Revolutionsfieber war ein allgemeines,und kam selbst da zum Ausbruch, wo ganz andere, zum Theil grad um-gekehrte Anlässe als in Frankreich waren: in Schweden erhob sich diesenatorische Partei gegen den König; in Polen regte sich die Sehnsucht,die alten Nebel der Anarchie abzuwerfen; in Ungarn und Brabant lehntesich Adel und Priesterschaft gegen die liberalen Neuerungen des Kaisersauf; in Holland rang eine Bürgeraristokratie gegen eine adelige Hof-partei; in Lüttich suchte das Volk die Hierarchie abzuwerfen. Auch inDeutschland bildeten sich Parteien nach den Mustern in Frankreich; den-noch blieb die betrachtende Natur des Volks bei Wünschen und Befürch-tungen stehen, und ließ es zum Handeln nicht kommen. Dieses gut-artige Volk hat, wie wir noch in den Bewegungen von 1830 so deutlichgewahrten, für politische Handlungen und Zustände noch keinen Sinn;wo es sich ja einmal regen sollte, mußten mehr solche Anlässe stattgehabthaben, die seine moralische Empfindlichkeit reizten. Damals aber war