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Schiller und Göthe.
wenn sie auf ihren Namen, auf ihre Familie, weil ein gefeierter Manndarin steht, wenn sie auf das Verdienst des Hauses stolz sind, diesenFamilienstolz, den Nationalstolz im Kleinen, würde auch kein Feind diegrößte Narrheit nennen mögen. „Was ist eine Nation?" ruft Herdernach obigem Satze aus. „Ein großer ungejäteter Garten voll Kraut undUnkraut! Wer sollte sich dieses Sammelplatzes von Thorheiten undFehlern, sowie von Vortrefflichkeit und Tugend ohne Unterscheidung an-nehmen?" Spiegelfechterei der Worte! Was ist die Menschheit, von derHerder so würdig gedacht haben will, anders als ein großer ungejäteterGarten u. s. f. ? und warum soll man sich dieses Gartens voll Unkrautso eifrig annehmen und die Saat der Humanität so emsig streuen?„Lasset uns," sagt er, „zur Ehre unserer Nation beitragen (aber das istihr Unehre, daß man von ihr gering spricht!), auch vertheidigen sollenwir sie, wo man ihr Unrecht thut (wenn aber hätten wir das gethan?);sic aber ex proie^o preisen, das halte ich für einen Selbstruhm ohneWirkung." Daß wir sie aber herabsetzen, was unser tägliches Werk ist,diese Niederträchtigkeit, die leider sehr große Wirkungen hat, bildet einenGegensatz gegen jenen eiteln Selbstruhm, den Herder unbeachtet läßt.Daß kein Volk ein auserwähltes Volk sei, das würde Realis zugeben,aber, würde er einwenden, keines auch ein verworfenes ! Und hinzusügenmüßte er: daß dem bösen Nachbar gegenüber, der sich noch heute für denAuserwählten hält, die Rolle die schlechteste von allen ist, die wir amliebsten spielen, daß wir uns selber hinwegwerfen.
Auf diesem zertretenen Vaterlandsgefühle, diesem Boden, der soschöne Früchte trägt, wucherte nun, da er verlassen und wüst lag, jenesseltsame Unkraut der weltbürgerlichen Politik lustig fort. Zu einer wun-derlichen Höhe stiegen ihre Theorien in Jean Paul. Auch er hatte sichschon ganz jung von der Vaterlandsliebe losgesagt, sie schien sich ihmmit freier Aufklärung nicht zu vertragen, er wollte sie Klopstock überlassen.Freisinnige, politische Ideen, wie sie dem Systeme der Menschenrechtegemäß sind, schlingen sich durch alle seine Werke hindurch, und man mußnur z. B. daraus achten, welche elende Rollen er alle seine Fürsten, Höfeund Hofleute spielen läßt. Ueberall liegen auch die Theile seiner histo-risch- oder politisch-humanistischen Philosophie zerstreut, am engstenbeisammen aber stellt er sie in dem Hesperus im sechsten Schalttage auf;die großen Vorgänge in Frankreich hatten sie eben gezeitigt. „Wenneinmal," heißt es dort, „dieser Lebensdunstkreis heiter werden soll, somüssen alle Völker der Erde einmal zusammeugegossen werden und sichin gemeinschaftlicher Gährung abklären. Das zerstörte Gleichgewicht der