Druckschrift 
5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
340
Einzelbild herunterladen
 

34Ü

Schiller und Gvthe.

zu den Resultaten zu erheben. So hatten wir eine Naturphilosophie vorNaturerkenntniß, und eine Geschichtsphilosophie, ehe nur Ein bedeuten-des historisches Werk da war; so hatten wir auch gewisse, politisch-philosophische Marimen in einer Art volksmäßiger Verbreitung, ehe sichim geringsten eine Spur von politischem Nrtheile zeigte. Herder stehtauch hier wieder mit seinen Ideen über die Philosophie der Geschichteund mit sonst ausgesprochenen Ansichten als ein Mittelpunkt da, um denwir leicht die interessanten Notizen fügen können, die uns einen Blick indie herrschende politisch-historische Philosophie des Zeitalters öffnen, inderen praktischer Natur wir sogleich wieder die Einwirkung der religiösen,der poetischen, der philisophischen Bildung, nirgends die einer praktischenErfahrung finden werden. Wir wollen über die Philosophie der Ge-schichte und im Besonder» über Hcrder's Ideen nicht von wissenschaft-licher Seite reden; sondern uns hier nur an dem halten, was aus derwissenschaftlichen Theorie in die gesellschaftliche überging, wie wir es indem theologischen Gebiete gethan haben. Herder hat in verschiedenenSchriftchen auch außer den Ideen einzelne Fragen, Probleme und we-sentliche Bestandthcile einer Geschichtsphilosophie mit seiner eigenenWitterungsgabe berührt, ohne übrigens zu ihrer Lösung beizutragen.Er wußte es selbst so genau und gut, daß unsere Aufmerksamkeit aufmoralische Dinge blöder sei, als auf physische; wir suchen die Gesetzedes flüchtigen Schalls und des Lichtes auf, die aber der feinsten, schncll--stcn, wirksamsten Kräfte in dem Reiche des Mcnschengetriebes suchen wirweniger eifrig. Auf diese Art entgehen uns die Grundlagen zu einereigentlichen Philosophie der Geschichte, die auch mißlicher zu lehren ist,als irgend ein anderes System der Philosophie, weil die Gesetze derEntwickelung, sobald wir sie festzubanueu suchen, der menschlichenFreiheit einen Zwang anzuthun scheinen, der unö empört. Wer dieseGesetze nur in jener Allgemeinheit angäbe, in der sie selbst dem Volkegeläufig sind, den würde mau der Plattheit zeihen; wer sie weiter ver-folgte, ja nur in ihren Folgerungen anwendete, der würde gleich alleWelt wider sich haben: denn es würde Hochverrats» an der Freiheit deSLebens scheinen, dem Leben seinen gemessenen Gang vorschreiben zuwollen. Wer sich täuschungslos dem Geschäfte hingäbc, die Ordnungendes moralischen Weltlaufs zu gewinnen, und schonungslos das anderebetriebe, sie auszusprechen und zu lehren, der würde sehr bald alle Ge-müthlichcn und Schwachmüthigen erschüttern und bekümmern; wer, sichselbst betrügend oder Andere, den mildernden Schleier vorzögc, der würdewieder dem Kenner nicht gcnugthun. Herder mochte die Eine dieser