Geschichte und Politik. (Göthe.)
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nerischen Künsten versteckte. Er schrieb es selbst, daß er eine schlechteQuelle für den künftigen Geschichtsforscher sein würde, der das Unglückhätte, sich an ihn zu wenden. „Die Geschichte, sagt er, ist überhauptnur ein Magazin für meine Phantasie, und die Gegenstände müssen sichgefallen lassen, was sie unter meinen Händen werden." Zwar war esihm uuterweilen Ernst, sich zum ersten Geschichtschreiber Deutschlandszu bilden. Das Praktische, das Nützliche trat in seinem Jdeenkreise umdie Jahre 1788—90 neben das Schöne, ja darüber hinaus; er wolltedas Thema behandeln, welche Thätigkcit bei gleichen Kräften die vor-züglichere sei, die politische oder die ideale; er gefiel sich in dem weitenFelde der Geschichte immer mehr, und glaubte, daß er bei steigender Lustam Ende dem Pnblieisten näher als dem Dichter, Montesquieu näherals Sophokles sei; ja es ging ihm der Geschichtschreibung gegenüberwie Göthen vor dem Ruhme Büffons und Linno's : Die Verehrung, dieman einem großen Geschichtschreiber zollt, schien ihm mehr zu zeigen,als die Bewunderung, die der Dichter empfängt. Allein trotz alle denrwar die Geschichte für ihn doch immer wesentlich im Dienste der Dich-tung. Schon die Schule, die er machte, war nicht darnach, daß er wirk-lich die Größe, die ihm ahnte, in dieses Fach hätte tragen können. Erhatte Voltaire's geschichtliche Arbeiten gelesen und bewundert. JenerRobinsonadencharakter, den der Franzose seiner Geschichte Karl's XII.gegeben, reizte ihn. Er kam mit dem Sinn zu formen an die Geschichte,eh er ihren Inhalt nur von fern kannte. — Es lauerte der Dichter zumächtig im Hiutergrunde, als daß es ihm ein tiefer Ernst hätte seinkönnen mit seiner Geschichtschreibung. Indem er sich das Ideal ausmalt,Geschichte mit dichterischem Geiste zu schreiben, ist ihm auch das schongenug, wenn er „die Leute nur glauben machen könne," dies gethan zuhaben. Nichts Charakteristischeres konnte man von seinen beiden Ge-schichtswerken sagen. Es ist ihm wirklich eine Zeit lang gelungen, dieWelt glauben zu machen, daß das Geschichte, und zwar mit dichterischemund philosophischem Geiste geschriebene Geschichte wäre. Er selbst glaubtees nicht. Er wußte bald, daß die Arbeit in der Geschichte ihm größereDienste geleistet habe, als Er der Geschichte. Sie ward eineUebung undStärkung seines Geistes, und seine späteren dichterischen Werke bezeugencs überall, wie groß er durch sie gewachsen ist.
Das Wohlgefallen an solchen Geschichtöwerken wie Schiller's hängtganz eng mit unserer philosophischen Neigung zusammen, uns in allerWissenschaft vom Anfang sogleich nach dem Ende zu schwingen, dielästige Breite des Materials in der Mitte zu überspringen, uns sogleich