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Schiller und Göthe.
Göthe. Allein in seiner Natur lag, wie wir früher schon andeuteren,der Fortschritt aus der ästhetischen in die historische und philosophischeWelt vorgeschrieben; es lag in ihr der Sinn für das große öffentlicheLeben vielleicht mehr, als Schiller selbst wußte, mehr, als er in manchemunserer Historiker lag. Ein Zeugniß sind seine dramatischen Werke, diefrüh und spät nach einem historischen Boden und großen Verhältnissenstreben; ein Zeugniß seine Neigungen zu epischen Versuchen, und seinegeschichtlichen Neigungen überhaupt, die weit über seine geschriebenenWerke hinausgingen: er trug sich mit dem Gedanken zu einem deutschenPlutarch, und wollte im Alter, wenn die Jugendkräfte des Dichtersschwänden, eine Geschichte von Rom schreiben. Die großen politischenBegebenheiten, die er erlebte, weit entfernt, ihn einzuschrecken und zuverwirren wie Göthe'n, steigerten ihn; er hatte Lust, sich in die fran-zösischen Verhältnisse einzumischen und eine Vcrtheidigung des unglück-lichen Königs zu schreiben; in seine Dramen strömte der Geist der Zeit,dem Dichter unbewußt, mit belebender Wärme ein, und er warf denEreignissen des Tages das Aehnliche aus der Vergangenheit wie einenSpiegel entgegen. Wie wenig er der Meinung war, die Nation blosauf der literarischen Stufe der Bildung zu halten, werden wir unten ausseinen Briefen über ästhetische Erziehung erfahren; und in der That hatauch keinMann inDeutschland so viel politischen und patriotischen Sinngeweckt wie Er. Wem diese Züge aus dem ganzen Wesen und WirkenSchiller's nicht deutlich genug reden, dem lassen sich unmittelbare ein-zelne Aeußerungen anführcn, die zugleich seine Achtung vor dem Gebieteder handelnden Welt ausdrücken und die Ursache angeben, warum erdennoch in seinen historischen Schriften darin so wenig heimisch erscheint.Er schrieb an seinen jungen Freund v. Wolzogen nach Paris: WerSinn und Lust habe für die große Welt, der müsse sich in diesem weitenElemente gefallen. „Wie klein, fährt er fort, und armselig sind unserebürgerlichen und politischen Verhätnisse dagegen! Aber freilich mußman Augen haben, die von großen Uebelu, die unvermeidlich einfließen,nicht geärgert werden. Der Mensch, wenn er vereinigt wirkt, ist immerein großes Wesen, so klein auch die Individuen und die Details insAuge fallen. Aber eben darauf kommt cS an, jedes Detail mit diesemRückblicke auf das große Ganze zu denken, oder mit philosophischemGeiste zu sehen. Wer dieses Auge nun entweder nicht hat, oder nichtgeübt hat, wird sich an kleine Gebrechen stoßen, und das schöne großeGanze wird für ihn verloren sein. Mir für meine kleine stille Personerscheint die große politische Gesellschaft aus der Haselschale, woraus ich