Druckschrift 
5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
328
Einzelbild herunterladen
 

328 Uebcrsicht der schönen Prosa (Romanliterakur).

Kleider-, Fest- und Theeordnungen auch Romanordnuugen vorgeschriebenhätte: wer weiß nicht, daß auch selbst die Chinesen ihre loyalen Romanehaben? Gegen diese Flüssigkeit also ist kein Damm erfunden, die Ma-nufakturwaare ist zu wohlfeil, sie ist für den Hausbedarf zu nöthig, alsdaß irgend ein Zoll könnte bestimmt werden, den sie nicht überwände,wenn einmal der geistige Verbrauch zu der Höhe gestiegen und zu derVerbreitung in der Masse gelangt ist, wie bei uns. Es gilt nur, daßdie Produkte ein Paar Jahre, von Messe zu Messe aushalten, so brauchensie des Stoffes wenig und gelten für so viel seiner und modischer. EinSchriftsteller, der auf solchen kurzen Ruhm ausgeht, darf nur, nachLichtenberg, einiges Moderne lesen und die Gesellschaften besuchen;dann gebe sich, wenn er nur ein Mensch ist, wie man ihn in die Haus-haltung braucht, Alles von selbst. Wie leicht ist es, etwas Liebe auf-zutreiben für eine Novelle, wenn man selbst in den verliebten Jahrensteht! Wie leicht, eine Zeit und einen Cirkel abzuschildern, dessen Ge-schöpf und Angehöriger man ist! Wie viel Ansteckendes liegt nicht alleinnur in dem nahen Beispiele! Daher war Sachsen, der Sitz unsersBuchhandels, von jeher der Mittelpunkt dieser platten Unterhaltungs-schreiberei wie des rathlosen Unheils und des irrenden Geschmacks.Dort waren gleich unter den ersten unserer Romanfabrikanten die meistengeboren oder wohnhaft: Meißner und Salzmann, Thilo und beideBecker, Seidel und Hase, Schlenkert und G. K. Claudius, Langbeinund Jünger, Heusinger und Brückner, der altenburger Müller undSchilling; und welche Reihe wäre es, wenn wir sie bis in unsere Tagesortführen wollten. Ganz diesen epidemischen Einwirkungen der Schreib-sucht muß man auch die Erscheinung so vieler Literaten in Weimar undGotha, und das plötzliche Hervortreten unserer schriftstellerischen Frauenzuschreiben. Ihre Emancipation lag ohnehin in jener Zeit der wildenAufschüttelung aller Talente nahe genug. Sie ging aber nicht von denGenialitäten aus; ein Mann wie Hippel mußte diese Frage anregen;das Buch der Marie Wolstoncrast, das die Rettung der Rechte desWeibes in der Art predigte, daß das Weib eben so wissenschaftlich undgymnastisch zu den gleichen Geschäften und Arbeiten wie der Mannerzogen werden sollte, wurde von Salzmann (1793) übersetzt. Ansjener andern Seite stand das Wort Rousseau's : Nicht Einem Weibe,aber den Weibern spreche ich die Talente der Männer ab. Wie Schade,daß nun die Ausnahmen zur Regel werden wollten! so daß sich einesehr reiche amazonische Gruppe aufstellen läßt, deren Werke eine ganzartige Bibliothek bilden. Nun vollends haben sie auch noch ihr eigenes