Unmittelb. Einwirk. d. Wissenschaften u. Lebenszustände. 325
sein Fabius und Cato (1774) der Aristokratie, eine Lobrede zu halten,. ist kaum mehr ein Roman zu nennen. Wenn hier, wie in Wieland's
I ähnlichen Werken, die Lehre Hauptabsicht ist, und die Cyropädie als
Muster vorsteht, so ist dagegen in den hieher einschlägigen Werken vonMeißner die Erzählung der Sachen und die bloße Geschichte die Haupt-i jache, weniger das Kolorit, das eine sarblose Ueberlieferung der Geschichte
I ersetzen soll. Meißner's Alcibiades (1781) erinnert in seinem freiem Bau
und in seinen freiem Sitten an Wieland's Vorbild, und eröffnet dieselbstgefälligen und unsäglich hohlen historischen Erzählungen dieses^ Vielschreibers, die sich, noch ganz wie die Sachen des 17. Jahrhs., inGeschichtgedichte und Gedichtgeschichten abtheilen lassen, je nachdem (wie. im Alcibiades und der Bianca Capello) die Erdichtung, oder (wie im
I Epaminondas, Cäsar, Spartacus, Masaniello u. A.') die Geschichte
I vorherrscht. Auf seinem Wege ging I. A. Feßler, der 1790 mit dem
Marc Aurel seine Reihe von historischen Romanen begann. Eine anderel Klasse bilven jene Nachfolger des Götz von Bcrlichingen. Sie strotzen' von gezwungener Kunstsprache, von überraschenden Wendungen undSchlagsätzen, von shakespearischem Witz und Derbheit, und halten meistdie Form dialogischer Scenen fest: so H. Schmieder in dem Erdbeben^ von Messina (1786) und in dem schwachen König (Heinrich IV. vonKastilien), in welchem Letztem übrigens die geniale Sprache nachläßt;so Fr. Ehr. Schlenkert in dem Friedrich mit der gebissenen Wange (1784),, und was dem Alles folgte; so K. Gottl. Cramer, der auch von Persön-
I lichkeit ein grober, derber Deutschthümler war, in jenen verwilderten
Ausgeburten eines rohen Geschmacks, dem deutschen Alcibiades, demHaspec a Spada und Adolf von Dassel, die den Knaben in seinen Tölpel-und Raufjahren so leicht in Begeisterung setzen. In diesem Ton ginges bei Lafontaine (Scenen; Rud. von Werdenberg u. A.) eine Zeitlangund bei G.H. Heinse aus Gera fort; und man kann nicht einmal sagen,daß bei den mehreren dieser herausgesprudelten Sachen nur eine gewisseKenntniß des Mittelalters herrsche, oder ein Ton der Zeit anders als infratzenhafter Uebertreibung getroffen wäre. Sobald sich die Schriftendieser Verfasser vollends aus der Ritterzeit entfernen, wie Cramer'sSchleicher und Usop, verbinden sic aufs widerlichste die Rohheit dieserRittermanier mit den frivolen Darstellungen der neuen Genialitätsmoralund den Schlüpfrigkeiten Wieland's und Meißner's. Etwas mehr von^ dem ritterlichen Anstrich, wie ihn nachher Fouquv und die Romantiker: suchten, die sich übrigens ganz aus dieser Schule herausbildeten, hatte
! Veit Weber (Leonhard Wächter) in seinen Sagen der Vorzeit (1787—98)