Unmittelb. Einwirk. d. Wissenschaften u. Lebenszustande. 323
angriff, und Fichte, alle Würde des Philosophen vergessend, beklagte,daß man ihn für die Polemik gegen seine Pbilosophie nicht anfgehängthabe. In der That, wenn Nirolai für Alles geschaffen war, so war eres gewiß nicht für ein Nrtheil im Felde der Philosophie, für deren eigen-thümliche Vorzüge er auch nicht im geringsten eine Spur von Sinn zeigt.Und vollends, wo er in ästhetischen Formen sich darüber auslassen will.Es ist keine Frage, daß es eine schöne Aufgabe für einen Mann vonsatirischer Gabe gewesen wäre, die Anmaßungen der philosophischenSchulen gegen das praktische Lebenssystem eines welterfahrencn Men-schen überznstellen, die Ecken des schroffen Systems mit den mannichfalti-gen Nuancen und Rundungen deS Lebens durch Steigerungen seinerKonsequenzen in Gegensatz zu bringen, die stoische, allein moralischmachende Tngendlehre Kant's aus dem freundlichen Humor eines Möserzu beleuchten, der die Neigungen und Leidenschaften des Menschen treuesteFreunde, der Tugend größte Förderer nannte, die Kant aus dem ver-nünftigen Menschen ganz verbannt wissen wollte. Aber wenn es denn soplump geschieht, wie hier der gute Leinweber Gundibert mit seinen reinenBernnnftsätzen an den Weltverkehr überall anstößt, in dem nichts noth-wendig und Alles bedingt ist, bis er zuletzt getäuscht von den Eitelkeitender Philosophie zur Leinweberei zurückkehrt, da verliert sich natürlichselbst der Reiz, den ein solches Thema an und für sich schon entgegen-bringt, und man würde dann noch lieber zu der satirischen Allegorie imSahir von Klinger greifen, in dem der kategorische Imperativ personi-ficirt und verspottet ist. Man begreift übrigens leicht, wie sich die Phi-losophie am wenigsten eignete, eine Anlehnung für schöngeistige Werkecntgegenzubringen, in der Art, wie wir es bei Theologie und Pädagogikgefunden haben. Die satirische Auffassung würde sich immer nur aneinen kleinen aristokratischen Kreis haben wenden können, wie denn schonGundibert nicht im entferntesten mehr das Publikum fand wie Sebaldns;die didaktische aber wird hier am ersten in Versuchung kommen, dieästhetische Form nur als allereinfachsten Rahmen zu gebrauchen, wie esin allen Werken solcher Art von Allwill und Wvldcmar an bis zumJulius und Evagoras u. A. geschehen ist. Aehnlich ist es mit den Ro-manen, die sich an die Geschichte anlehnen. Hier herrscht das That-sächliche und Wirkliche leicht so sehr, daß man vor Geschichte die Poesie
moliore'sche Magd raisonnirt ja Langes und Breites in unsern kritischen Bibliotheken,Philosophischen und literarischen Annalen und Reisebeschreibungen über Poesie undKunst u. dgl., nur wie billig auf deutschem Boden ein wenig abgeschmackter als auffranzösischem, wie es sich für die Gesindestube der deutschen Literatur geziemt."
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