314 Ueberstcht der schönen Prosa (Rvmanlitcratur).
angesehen worden sein, an dem neuen Werke zu zweifeln, und ver-gebens lehnte sich Schlözer, indem er de la Chalotais' Versuch über denKinderunterricht übersetzte, gegen Basedow auf: die übrige Welt schienihm allein die pädagogische Arbeit mit vollem Vertrauen übertragen zuhaben. Und jetzt wuchsen Basedow auch die Flügel so, daß er sich seinesrcformatorischen Berufs ganz bewußt ward, und wie Wieland, wenndieser auf seiner Seite wäre, meinte er, die ganze Welt umkchren zu kön-nen. Allein das Vertrauen zu ihm ward bald erschüttert. Das Werkaber bestand darum doch, und gedieh nur desto besser, weil eS ebenEigenthum des Volks ward. Als das Elementarwerk, zu dem dasPublikum 15,000 Thalcr gesteuert hatte, 1774 erschien, fand sich Jeder-mann getäuscht. Man verglich eS mit Ulmmbers oz-elopaeäm (London1728), mit Hlstaäii eno^ologaoäia aus dem 17. Jahrh., mit deinSchauplatz der Natur und dem Inbegriff menschlicher Fertigkeiten u. A.,und fand es eher zurückgegangen als vorwärts; auch hinderte es nicht,daß sich bald ähnliche Werke, das schützische Elementarwerk und Campe'sallgemeine Revision des gesammten Schul- und Erziehungswesens anseine Stelle setzten. Als daher Basedow 1775 seine Anzeige über dasin Dessau errichtete Philanthropinum machte, und das Publikum einlud,zu dem neugeborenen Kinde Pathcnstelle zu vertreten, d.' h. das Pathen-geld (für das erste Jahr bedürfe er 22,000 Thaler, wenn Alles geleistetwerden solle) bald cinzuschicken, so begnügte sich das Publikum bis indie unteren Klassen herunter, dem Kinde den Namen des Philanthropins,den ihm Basedow gegeben hatte, achtungsvoll zu lassen, im übrigen aberdie Pathengelder zu sparen. Die Nothschüsse an die Kosmopoliten ver-hallten, der Plan zu einem Mädcheninstitute, zu dem nur 3000 Thalerverlangt wurden, scheiterte, Basedow zerfiel mit allen Lehrern, er zog sich1778 schon ganz zurück und überließ die Anstalt an Campe, der sie insKleine zog und den Grund zu einer blühenden Anstalt legte.
Keineswegs war mit diesem Rücktritte etwas verloren. Es wich einunbeständiger Mann, und überließ den Platz Anderen, die mit mehr Aus-dauer und Kenntniß sich des Nationalwerkes annahmen. Aus Dessauging eine Reihe der verdientesten Schulmänner aus, die zum Theil selbstmit Basedow aufs höchste unzufrieden waren, die ihn, wie Mangelsdorf,öffentlich angegriffen, die ihn, wie Bahrdt, Jselin u. A., schnell durch-schauten, die ihn, wie Wolke, im Unfrieden verließen, die, wie Gedicke,auf ganz anderen Wegen fortgingen. Aber daß er den großen Anstoßgegeben, durften ihm seine Feinde nicht ableugucn, und mit Recht hatihn der Uebersetzer des Pindar darum besungen und gerühmt. Die