Unnüttclb. Einwirk. d. Wissenschaften u. Lcbcnszustände. 30!)
Aufmerksamkeit abnöthigte, daß, als seine Person fiel, sein Werk bestandnnd bestehend sich veränderte und verbesserte, und daß die Früchte davonden Gesammtkörper deS Volks mit neuer Nahrung dnrchdrangen. Wennalles das, was die schöne Literatur, angelehnt an die religiösen Bewe-gungen, damals hervorbrachte, an die gebildetste Klasse der Nation ge-richtet ist, so strebt dagegen Alles, was sich an die umgestaltete Erziehungaulchnt, zu den untersten Klassen hin, und stimmte Sprache nnd Stoffzum entschiedensten Volkstone herab. Wenn eS unter den Aufgeklärten inreligiöser Hinsicht, wie wir zuletzt bei Wieland sogar gefunden haben,charakteristisch ist, daß sie sich nicht dem gemeinen Rationalisten anschlos-sen, der mit dem dürren Verstände Alles greisen will, was er begreifensoll, der nicht Unsinnliches in der Phantasie, sondern nur das für mög-lich hält, was in die äußeren Sinne fällt, und was ihm selbst einmal indie Sinne gefallen ist: so stehen dagegen fast alle die Männer, die unserErziehungswescn geändert haben, entschieden auf der Seite der Pragma-tiker und jener Aufklärer in Berlin, die eftren so üblen Namen unterunserer poetischen Aristokratie hatten. Für Basedow nahmen Nieolaiund Kästner, Gedicke und Biester Partei; Reimarus war sein Lehrer;Ebert nnd Lessing achteten auf ihn; Bahrdt und Stcinbart, die Berüch-tigten, erscheinen unter den ersten neuen Pädagogen, und Trapp, dersich Bahrdt's öffentlich annahm; und überhaupt zog Preußen zuletzt denreinsten Ertrag der ganzen Schulreform, von wo auö sie mit Personenund Schriften am kräftigsten unterstützt ward. Ja noch mehr: die ganzeRevolution im Erziehungswcsen war ganz in der Stille gerade gegen dieKirche und Geistlichkeit, gegen die ansschließende und bevorzugte religiöseBildung gerichtet, und das ist ihr letzter Sinn, daß sie die Schule demEinflüsse der Geistlichen entriß, daß sie der Nationalerziehung die christ-lichen Fesseln abnahm, indem sie ihr die Fesseln der pedantischen Gelehr-samkeit, des unfruchtbaren Wissens und des nutzlosen Zwangs abzuneh-men Miene machte. Will man diese Wirkungen blos pragmatisch nachihrer nächsten Quelle verfolgen, so kann man sagen, daß sich der geistlicheEifer diese Wunde eben so gut selbst geschlagen habe, wie er mit seinenVerfolgungen gegen Bahrdt den Rationalismus hervorgerufen hat.
Mit den Schicksalen nämlich, die diesen bekehrt und von der Recht-gläubigkeit abgebracht haben, hat das Leben Joh. Bernhard B ased o w's(aus Hamburg 1723—00) von dieser Seite große Aehnlichkeit, so ver-schieden die beiden Menschen auch waren. Basedow war im Anfang einAnhänger von Klopstock und Cramer, wie es schon sein Geburtsort mitsich bringt. Er hatte sich zur Theologie bestimmt, die er zwar frühzeitig